Gastkommentar von Dr. Thilo Hoffmann
Vor fünf Jahren platzte Chinas Immobilienblase. Sie platzt noch immer.
Jahrzehntelang lautete der Deal: Die Partei liefert Wachstum, das Volk liefert Gehorsam. Wachstum hieß auch Beton. Wohnungen wurden Altersvorsorge, Sparbuch und Vermögensanlage zugleich. Betongold auf Chinesisch.
Dann fielen Evergrande und Country Garden. Millionen Wohnungen blieben unfertig, Preise fielen. Und sie fallen weiter. Peking rettete die Konzerne nicht. Der Deal war gebrochen. Aus Betongold wurde Beton.
Das Problem reicht längst über Immobilien hinaus. Wer seine Altersvorsorge schwinden sieht, konsumiert nicht. Er spart. Das trifft eine Wirtschaft, deren Binnenkonsum ohnehin zu schwach ist. Gleichzeitig altert und schrumpft China. Weniger junge Chinesen brauchen weniger neue Wohnungen. Immobilienkrise trifft Demografie. Demografie verschärft Immobilienkrise.
Peking versucht den Befreiungsschlag: vom Beton zum Chip. E-Autos, Batterien, Solar, Robotik, KI. Technologisch ist China beeindruckend. Was der Binnenmarkt nicht aufnimmt, landet auf dem Weltmarkt. China exportiert seine Überkapazitäten. Chinas Schwäche wird so zu Europas Problem.
Japan erlebte nach 1990 eine ähnliche Mischung aus Immobiliencrash, Alterung und Konsumflaute. Es folgten verlorene Jahrzehnte. China könnte dasselbe bevorstehen.
Dumm nur: China hat für dieses Jahrzehnt noch einiges vor.






