Verband der Betonfertigteilwerke warnt vor historisch niedrigem Niveau bei Baubewilligungen und fordert politische Maßnahmen.
Der Verband Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) sieht die österreichische Bauwirtschaft weiterhin unter starkem Druck – mit drastischen Folgen vor allem für den Wohnbau. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Linz verwies der Verband insbesondere auf den deutlichen Rückgang bei Wohnbauprojekten und sprach von einer dramatischen Entwicklung am Markt.
Laut VÖB wurden im Jahr 2025 insgesamt 47.636 neue Wohnungen baubewilligt. Zum Vergleich: Im Jahr 2017, dem Höhepunkt der vergangenen Baukonjunktur, lag die Zahl der Baubewilligungen bei knapp 87.000 Wohnungen. Das entspricht einem Rückgang von 45 Prozent. Bei Neubauten fiel der Rückgang laut Verband sogar bei 56 Prozent aus. „Selbst im Jahr 2009, inmitten der Wirtschafts- und Finanzkrise, gab es in Österreich mehr Baubewilligungen für neue Wohnungen als im Vorjahr“, erklärte Anton Glasmaier. Der Verband fordert daher seit längerem die Einrichtung eines eigenen Bauministeriums, das sich mit Wohnbau, Wirtschaftsstandort und Umweltschutz befassen soll.
Als zusätzliche Belastungsfaktoren nennt der Verband die schwache Konjunktur, fehlende Investitionsanreize für Unternehmen und die angespannte Finanzlage vieler Gemeinden. Dadurch würden notwendige Infrastrukturprojekte etwa im Bereich Kanalisation oder Kinderbetreuung zunehmend verschoben. „Eine geradezu toxische Mischung für unsere Betonfertigteilbranche“, sagte Michael Wardian im Rahmen der Jahreshauptversammlung.
Trotz der angespannten Lage sieht der Verband einzelne positive Signale. Laut dem jüngsten VÖB-Konjunkturbarometer erwarteten fast 90 Prozent der befragten Unternehmen für das erste Halbjahr 2026 einen gleichbleibenden oder steigenden Umsatz. „Unsere Betriebe sind vorsichtig optimistisch ins neue Jahr gestartet“, erklärte Wardian. Jedoch mit einem großen Aber.
Die Hoffnungen auf eine Erholung hätten sich jedoch durch internationale Entwicklungen eingetrübt. „Das amerikanisch-israelische Abenteuer im Nahen Osten hat vor allem im Hochbau jegliche Hoffnung zunichte gemacht. Die ursprünglichen Prognosen für die Konjunkturerholung scheinen kaum mehr erreichbar“, so Wardian.
Neben der konjunkturellen Entwicklung stellte der Verband bei der Jahreshauptversammlung auch Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung in den Mittelpunkt. Betonfertigteile würden meist in der Nähe der jeweiligen Bauprojekte produziert und könnten dadurch Transportwege reduzieren. „Dadurch, dass Betonfertigteile nahezu immer in der Nähe des jeweiligen Bauvorhabens gefertigt werden, liefert unsere Industrie nicht nur einen immensen Beitrag zur Wertschöpfung in den Regionen, sondern entlastet durch die kurzen Transportwege auch die Umwelt“, sagte Glasmaier. Darüber hinaus verwies der Verband auf mehrere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur nachhaltigen Transformation des Bauwesens. Dabei gehe es unter anderem um ressourcenschonende Bauweisen, Lebenszyklusanalysen von Infrastrukturprojekten und den Einsatz digitaler Technologien im Bauwesen.






