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Gewerbeimmobilien: Qualität setzt sich durch, sonst wird es schwierig

von Charles Steiner
9. Juli 2026
in Gewerbe, Logistik, Office, Österreich, Retail
Der Wiener Gewerbemarkt zeigt sich grundsätzlich stabil, bei den einzelnen Assetklassen aber verschieden. Foto: pixabay.com

Der Wiener Gewerbemarkt zeigt sich grundsätzlich stabil, bei den einzelnen Assetklassen aber verschieden. Foto: pixabay.com

Otto Immobilien sieht stabile Entwicklung bei Büro, Handel sowie Industrie und Logistik – ESG, Lage und Flächenqualität gewinnen weiter an Bedeutung.

Der Wiener Gewerbeimmobilienmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2026 nach Einschätzung von Otto Immobilien im Gesamten zwar weitestgehend stabil entwickelt, dennoch sind erhebliche Unterschiede bei der Performance der einzelnen Assetklassen erkennbar. Während sich die Dynamik in den Assetklassen Büro, Einzelhandel sowie Industrie und Logistik unterschiedlich darstellt, rücken Qualität, Standort und Nachhaltigkeit zunehmend in den Mittelpunkt der Nachfrage. Zu diesem Ergebnis kommt der Immobilienberater in seiner Halbjahresbilanz.

Am Wiener Büromarkt hat sich die Nachfrage differenziert entwickelt. Nach einer Vermietungsleistung von rund 200.000 Quadratmetern im Vorjahr wurden im ersten Halbjahr 2026 laut Vienna Research Forum 64.843 Quadratmeter umgesetzt. Das entspricht einem leichten Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das zweite Quartal fiel mit rund 16.100 Quadratmetern allerdings deutlich unterdurchschnittlich aus, nachdem öffentliche Mieter, die Ende 2025 das Marktgeschehen geprägt hatten, zuletzt kaum mehr als Nachfrager auftraten.

Die Leerstandsquote liegt derzeit bei rund 4,4 Prozent und zählt damit weiterhin zu den niedrigsten Europas. Gleichzeitig erreichte die Spitzenmiete mit 29,50 Euro pro Quadratmeter und Monat einen neuen Höchstwert. Die Durchschnittsmiete stieg auf 16,20 Euro pro Quadratmeter und Monat. Als wesentliche Ursachen nennt Otto Immobilien das geringe Neubauvolumen sowie die begrenzte Fertigstellungspipeline.

Besonders gefragt seien moderne Büroflächen mit ESG-Qualität, während ältere Bestandsgebäude ohne entsprechende Perspektive zunehmend unter Druck geraten. „Unternehmen prüfen heute deutlich intensiver, ob sie bestehende Flächen modernisieren oder den Standort wechseln. Solche ‚Stay vs. Go‘-Analysen gewinnen in der Beratung zunehmend an Bedeutung“, sagt Anthony Crow, Leiter Gewerbe bei Otto Immobilien.

Am Einzelhandelsmarkt setzt sich die Entwicklung hin zu einer stärkeren Polarisierung fort. Internationale Marken aus den Bereichen Mode, Sport, Outdoor und Gastronomie konzentrieren sich weiterhin auf erstklassige Innenstadtlagen. Das Angebot hochwertiger Flächen bleibt knapp. Die Spitzenmiete am Graben liegt unverändert bei 620 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Sekundärlagen und großflächige Handelsimmobilien mit mehreren Geschossen stehen hingegen weiter unter Anpassungsdruck. Gleichzeitig verändern sich die Nutzungskonzepte. Handelsnahe Dienstleistungen, Gastronomie, Fitness-, Gesundheits- und Entertainmentangebote gewinnen laut Otto Immobilien zunehmend an Bedeutung und ersetzen in vielen Fällen klassischen Einzelhandel.

Auch der Markt für Industrie- und Logistikimmobilien zeigt Anzeichen einer Stabilisierung. Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche spekulative Großprojekte realisiert wurden, konzentrieren sich Entwickler nun verstärkt auf Projekte mit gesicherter Vorvermietung. Die Fertigstellungen werden 2026 voraussichtlich rund 83.000 Quadratmeter erreichen und damit deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.

Im ersten Halbjahr wurden rund 104.000 Quadratmeter vermietet beziehungsweise in Betrieb genommen. Etwa die Hälfte entfiel auf Build-to-Suit-Projekte. Gefragt sind insbesondere kleinere Flächeneinheiten zwischen 1.000 und 3.500 Quadratmetern sowie Brownfield-Entwicklungen. Die Spitzenmiete liegt derzeit bei 7,75 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Als zusätzlichen Nachfragetreiber sieht Otto Immobilien Rechenzentren und datenintensive Infrastrukturprojekte. Damit würden Themen wie Energieverfügbarkeit, Netzanschlüsse, ESG-Konformität und Flächeneffizienz weiter an Bedeutung gewinnen. „Wir sehen konkrete Chancen, die wir aktiv nutzen wollen. Mit einem klaren Fokus auf Qualität, Marktkenntnis und partnerschaftliche Beratung blicken wir zuversichtlich auf die kommenden Monate“, sagt Crow.

Tags: Otto ImmobilienWien
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