Interview: Housemeister-Founder Johann Rath über die Immobilie der Zukunft, digitale Infrastruktur, Unternehmergeist und warum bessere Ideen künftig wichtiger sind als mehr Beton.
Herr Rath, wenn man Housemeister hört, denken viele zuerst an Paketboxen. Tatsächlich geht es um viel mehr, oder?
Absolut. Wir bauen keine Paketboxen – wir denken den Eingangsbereich eines Gebäudes neu. Uns interessiert die Frage, wie das Ankommen in einem Gebäude künftig aussehen wird. Der Eingangsbereich ist heute weit mehr als ein Ort, an dem man den Schlüssel ins Schloss steckt. Er ist die Schnittstelle zwischen analogem und digitalem Leben.
Begonnen hat alles mit digitalen Haustafeln als moderner Alternative zum Schwarzen Brett. Heute verbinden wir intelligente Paketboxen, Briefkastensysteme, digitale Kommunikation und smarte Services zu einer Infrastruktur, die den Alltag von Bewohnern, Hausverwaltungen und Zustelldiensten einfacher macht.
Mich fasziniert dabei weniger das einzelne Produkt als die Frage dahinter: Wie werden Menschen morgen leben?
Was bedeutet das konkret?
Wir planen noch immer viele Gebäude für einen Alltag, den es eigentlich gar nicht mehr gibt.
Heute arbeiten wir im Homeoffice, bestellen online, kommunizieren digital und erwarten Dienstleistungen, die uns Zeit schenken. Deshalb reicht es künftig nicht mehr, einfach schöne Wohnungen zu bauen.
Wir müssen aufhören, Gebäude zu bauen – und anfangen, Wohnwelten zu entwickeln.
Was gehört für Sie zu einer modernen Wohnwelt?
Die Wohnung ist heute eigentlich nur noch ein Baustein. Entscheidend ist, wie gut sich das Leben drumherum organisieren lässt: funktionierende Paketlogistik, schnelles Internet, digitale Kommunikation im Haus, Gemeinschaftsflächen, Co-Working-Möglichkeiten oder Services, die den Alltag erleichtern.
Menschen entscheiden sich künftig nicht mehr nur für eine Wohnung – sondern für ein Lebensgefühl.
Sie betrachten Immobilien also ganzheitlich?
Genau.
Eine Immobilie endet nicht an der Wohnungstür. Dort beginnt sie erst. Projektentwickler sollten sich viel stärker fragen: Wie leben Menschen? Wie arbeiten sie? Wie kommunizieren sie? Und was erwarten sie eigentlich von ihrem Zuhause? Wer diese Fragen beantwortet, entwickelt Immobilien, die auch in zehn oder zwanzig Jahren noch relevant sind.
Sie beschäftigen sich intensiv mit Digitalisierung. Wird ihr Einfluss unterschätzt?
Ja, weil Digitalisierung oft auf Software oder Technik reduziert wird. Für mich bedeutet Digitalisierung vor allem eines: Dinge einfacher machen. Wenn digitale Kommunikation Papier ersetzt, intelligente Paketboxen unnötige Zustellfahrten vermeiden oder Prozesse automatisch funktionieren, profitieren alle – Bewohner, Hausverwaltungen und Dienstleister. Die beste Digitalisierung ist oft die, die man gar nicht bemerkt. Sie sorgt einfach dafür, dass der Alltag reibungslos funktioniert.
Seit Kurzem sind Sie auch Vorstandsmitglied der DREA – der Digital Real Estate Association. Warum?
Mich interessieren Menschen, die Lust haben, die Immobilienbranche weiterzudenken. Genau solche Unternehmer, PropTechs und Projektentwickler kommen dort zusammen. Der Austausch mit ihnen ist unglaublich inspirierend. Ich glaube, wir brauchen in Österreich wieder mehr Mut zum Ausprobieren und mehr Offenheit für Innovationen. Vor allem aber brauchen wir ein anderes Mindset. Wir konzentrieren uns oft darauf, warum etwas nicht funktionieren könnte. Andere Länder fragen zuerst: Wie schaffen wir es?
Wenn digitale Kommunikation Papier ersetzt, intelligente Paketboxen unnötige Zustellfahrten vermeiden oder Prozesse automatisch funktionieren, profitieren alle.
Sie sprechen vom „Winning Mindset“. Was verstehen Sie darunter?
Unternehmertum bedeutet für mich, Ideen auszuprobieren. Natürlich funktioniert nicht jede davon. Aber wenn aus zehn Ideen eine entsteht, die eine Branche verändert, dann hat sich der Mut bereits gelohnt. Wer nie scheitert, hat meistens auch nichts Neues versucht. Ich wünsche mir mehr Menschen, die Chancen erkennen, statt zuerst Risiken zu suchen. Mehr Macher als Verwalter.
Ihr Blick in die Zukunft?
Die Immobilienwirtschaft steht vor einem grundlegenden Wandel. Die erfolgreichsten Projekte werden nicht jene sein, die den höchsten Standard von heute erfüllen, sondern jene, die verstehen, wie Menschen morgen leben möchten. Die spannendsten Immobilien der Zukunft entstehen nicht durch mehr Beton, sondern durch bessere Ideen. Die eigentliche Innovation ist am Ende nicht das Gebäude – sondern das Verständnis dafür, wie Menschen künftig wohnen, arbeiten und leben wollen.






