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EZB tastet Leitzins vorerst nicht an

von Charles Steiner
19. März 2026
in Europa, Gewerbe, International, Österreich, Wohnen
Die EZB lässt den Leitzins unverändert. Foto: pixaba.com

Die EZB lässt den Leitzins unverändert. Foto: pixaba.com

Notenbank verweist auf Unsicherheiten durch geopolitische Lage – Branche erwartet steigenden Zinsdruck.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen. Der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt weiterhin bei 2,00 Prozent, jener für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 2,15 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Die Notenbank bekräftigte ihr Ziel, die Inflation mittelfristig bei 2 Prozent zu stabilisieren.

Gleichzeitig verwies sie auf gestiegene Unsicherheiten infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten, die sowohl Aufwärtsrisiken für die Inflation als auch Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum mit sich bringen. Die Inflation dürfte laut aktuellen Projektionen 2026 bei durchschnittlich 2,6 Prozent liegen. Dennoch beobachte man die Lage im Nahen Osten sehr genau.

Vertreter aus dem Immobilienmarkt bewerten die Entscheidung als erwartungskonform, sehen jedoch zunehmende Risiken für die weitere Zinsentwicklung. Mit der Beibehaltung des Leitzinsniveaus bestätige die EZB die Markterwartungen. Für eine Zinserhöhung ist es derzeit noch zu früh, da die Datenlage weiterhin unsicher ist, so Felix Schindler, Head of Research von HIH Invest. Ebenso ist die Dauer des Konflikts im Nahen Osten momentan nicht ausreichend abschätzbar. „Entsprechend ist das Ausmaß der mittel- bis längerfristigen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die globalen Lieferketten, die Energiemärkte und nicht zuletzt die Inflationsentwicklung schwer vorhersehbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung durch die EZB in den kommenden Monaten hat sich aber deutlich erhöht; die Kapitalmärkte haben bereits mit einem deutlichen Anstieg der langfristigen Renditen reagiert“, so Schindler.

Auch Francesco Fedele, CEO von BF.direkt, sieht vorerst Stabilität, warnt jedoch vor möglichen Folgen steigender Energiepreise: „Ein dauerhafter Inflationsimpuls könnte die Finanzierungskosten hoch halten.“ Kreditnehmer sollten daher verstärkt Strategien zur Zinssicherung prüfen, insbesondere bei Projektentwicklungen und Prolongationen: „In der gewerblichen Immobilienfinanzierung sollten Kreditnehmer daher verstärkt die Möglichkeit einer Zinssicherung prüfen, auch wenn die Forward-Sätze bereits auf das gestiegene Risiko reagiert haben. Handlungsbedarf entsteht vor allem dann, wenn die eigene Risikoeinschätzung des Kreditnehmers über die des Marktes hinausgeht. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, sich frühzeitig gegen die zu erwartenden weiteren Zinsanstiege abzusichern“, so Fedele.

Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung, IREBS Institut für Immobilienwirtschaft, Universität Regensburg, betonte die derzeit noch begrenzten Marktreaktionen: „Für die Immobilien- und Bauwirtschaft bedeutet das vorerst Stabilität – wenn auch auf erhöhtem Risikoniveau.“ Die Kapitalmärkte rechneten aktuell mit ein bis zwei Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf. „Wir sehen bereits einen moderaten Anstieg der langfristigen Zinsen, etwa beim Zehnjahres-Swap. Dieser verläuft jedoch im historischen Vergleich eher graduell als sprunghaft und signalisiert keine abrupte Neubewertung, sondern eine schrittweise Anpassung der Zinserwartungen.“

Bei Kingstone Real Estate wird eine Verschiebung der Risikolage gesehen. „Steigende Energiepreise erhöhen den Druck in Richtung möglicher Zinserhöhungen, während Zinssenkungen deutlich an Wahrscheinlichkeit verloren haben“, sagte Maximilian Radert. Entscheidend bleibe, ob sich erhöhte Inflationserwartungen verfestigen. Entscheidend bleibe jedoch die Entwicklung der Inflationserwartungen. Sollten sich diese auf erhöhtem Niveau verfestigen, gerät der Look-through-Ansatz an seine Grenzen – und die EZB wäre zum Handeln gezwungen. Radert: Die Erfahrungen aus dem Jahr 2022 wirken dabei nach: Ein zu spätes Reagieren auf steigende Inflationsrisiken soll vermieden werden.“

Tags: bf.capitalEZBHIH InvestIREBSKingstone Real Estate
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