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Reinigungsroboter kann jetzt selbstständig Schindler-Aufzüge fahren

von Onlineredaktion immobilien investment
8. September 2026
in Digitalisierung, Gewerbe, News, Österreich, Trends & Design
Reinigungsroboter "Putzi" kann selbstständig über den Aufzug das Stockwerk wechseln. Die digitale Schnittstelle Schindler CoLab macht's möglich. Foto: Schindler

Reinigungsroboter "Putzi" kann selbstständig über den Aufzug das Stockwerk wechseln. Die digitale Schnittstelle Schindler CoLab macht's möglich. Foto: Schindler

In einer Schule in Bludenz wechselt ein Gausium-Reinigungsroboter autonom zwischen sechs Stockwerken. Möglich macht das die digitale Schnittstelle Schindler CoLab, die den Roboter mit der Aufzugssteuerung verbindet.

In der Schule im Park in Bludenz fährt ein Reinigungsroboter selbstständig mit einem Schindler-Aufzug und kann dadurch mehrere Etagen ohne menschliche Unterstützung reinigen. Nach Angaben von Schindler Österreich handelt es sich um die erste derartige Anwendung in Österreich. Technische Grundlage ist die digitale Schnittstelle Schindler CoLab, über die Roboter und Aufzugssteuerung miteinander kommunizieren.

Der von der Stadt Bludenz finanzierte Roboter des Herstellers Gausium reinigt Allgemein- und Verkehrsflächen im historischen Schulgebäude sowie im Neubau. Bereitgestellt und für den Standort integriert wurde das System von Denzel Robotics gemeinsam mit einem Vertriebspartner. Von den Schülern wurde der Roboter „Putzi“ getauft.

Der Roboter arbeitet über sechs Stockwerke und beginnt seinen Einsatz nach Unterrichtsende. Insgesamt umfasst das Gebäude rund 2.450 Quadratmeter Nutzfläche. Nach Unternehmensangaben kann das System je nach Gegebenheiten zwischen 400 und 700 Quadratmeter pro Stunde reinigen. Nach rund 4,5 Stunden Saugbetrieb ist eine erneute Ladung erforderlich.

Für den Etagenwechsel kommuniziert der Roboter über eine cloudbasierte Verbindung mit dem Aufzug. Dabei ist die Roboter-Cloud mit der Cloud des digital angebundenen Schindler-Aufzugs verknüpft. Das System kann dadurch unter anderem Informationen über laufende Fahrten und die Belegung der Aufzugskabine berücksichtigen.

Der Roboter kann den Aufzug selbstständig anfordern, das gewünschte Stockwerk auswählen und anschließend seine Reinigung auf der nächsten Etage fortsetzen. Laut Schindler soll die Schnittstelle sowohl mit konventionellen Aufzugssteuerungen als auch mit komplexeren Systemen wie Zielrufsteuerungen eingesetzt werden können.

„Bei der Implementierung autonomer Robotik geht es nicht nur um die technischen Möglichkeiten des Systems, sondern vor allem darum, diese sicher und zuverlässig in den konkreten Arbeitsalltag zu integrieren“, sagt Jürgen Höller, CEO von Denzel Robotics. Die Aufzugsanbindung sei ein wesentlicher Baustein, wenn Roboter nicht nur einzelne Gebäudebereiche, sondern mehrere Etagen bedienen sollen.

In der Schule wird der Roboter vor allem für großflächige Gang- und Allgemeinbereiche eingesetzt. Die klassische Gebäudereinigung ersetzt das System nach Angaben der Schulleitung nicht.

„Putzi ersetzt die tägliche Reinigung nicht, sondern ergänzt sie. Klassenräume, Bereiche unter Tischen oder große Glasflächen werden weiterhin von Menschen gereinigt“, sagt Schuldirektor Simon Hagen. Der Roboter übernehme jene Aufgaben, für die er technisch besonders geeignet sei.

Für die Navigation erstellt und aktualisiert das System nach Angaben der Anbieter seine Umgebungskarte laufend. Sensorik, dreidimensionale Umgebungswahrnehmung und Deep Learning sollen dabei helfen, Personen und Hindernisse zu erkennen und die Route entsprechend anzupassen. Die maximale Fahrgeschwindigkeit beträgt 0,8 Meter pro Sekunde.

Schindler sieht Einsatzmöglichkeiten der Schnittstelle über Schulen hinaus, etwa in Hotels, Krankenhäusern, Büro- und Wohngebäuden sowie in Industrie- und Produktionsimmobilien. Serviceroboter könnten dort beispielsweise Reinigungs-, Transport- oder Logistikaufgaben über mehrere Stockwerke übernehmen.

„Der Bedarf an verlässlichen Roboteranbindungen im Gebäudebetrieb steigt. Die digitale Schnittstelle ermöglicht den durchgängigen Einsatz autonomer Systeme über mehrere Etagen“, sagt Janine Schwabe-Häder, Geschäftsführerin von Schindler Österreich. Weitere Projekte seien laut Unternehmen bereits in Umsetzung.

Die technische Integration ist nach Angaben von Schindler nicht auf Neubauten beschränkt. Voraussetzung seien unter anderem eine digitale Anbindung des Aufzugs, eine geeignete Steuerung und automatische Türen. Bei älteren Anlagen könne abhängig von Zustand und technischer Ausstattung eine Teilmodernisierung erforderlich sein.

Schwabe-Häder erwartet, dass die Verknüpfung von Servicerobotern und Gebäudeinfrastruktur künftig an Bedeutung gewinnt. „Ein Blick nach Asien zeigt, wie selbstverständlich Serviceroboter dort bereits in Gebäuden unterwegs sind. Diese Entwicklung wird auch bei uns an Dynamik gewinnen.“

Für den Gebäudebetrieb eröffnet die technische Verbindung von Robotik und Aufzug damit zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten. Wie stark sich solche Systeme in österreichischen Immobilien durchsetzen werden, dürfte allerdings auch von Investitionskosten, technischer Nachrüstbarkeit und den jeweiligen betrieblichen Anforderungen abhängen.

Tags: AufzügeBludenzInfrastrukturRobotikSchindler
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