Gastbeitrag von Mag. Dr. Gabriela-Maria Straka, EMBA
Trends am Immobilienmarkt bis 2030
Folgende Trends greifen ineinander und werden die Nachfrage, die Preisentwicklung und die Anforderungen an Immobilien in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen.
Alternde Bevölkerung und Generation Erben
Der demografische Wandel wird den Immobilienmarkt nachhaltig prägen. Mit der steigenden Zahl an Single-Haushalten wächst die Nachfrage nach kleineren, barrierefreien und altersgerechten Wohnungen. Gleichzeitig werden viele „Best Ager“ ihre zu groß gewordenen Einfamilienhäuser verkaufen oder an die nächste Generation weitergeben.
Mit der sogenannten Generation Erben gelangen zunehmend ältere Bestandsimmobilien auf den Markt. Diese entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Wohnkomfort und Nachhaltigkeit und werden daher verstärkt saniert oder modernisiert.
Gleichzeitig gewinnen alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser, gemeinschaftliches Wohnen oder Best-Ager-Wohngemeinschaften an Bedeutung. Auch Modelle wie die Immobilienverrentung – der Verkauf mit lebenslangem Wohnrecht – dürften an Relevanz gewinnen.
Nachhaltigkeit und Bestandssanierung
Nachhaltigkeit entwickelt sich bis 2030 zum entscheidenden Qualitätsmerkmal von Immobilien. Energieeffiziente Gebäude, Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und klimafreundliche Baustandards werden zunehmend zum Marktstandard.
Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Sanierung bestehender Gebäude, da der Neubau aufgrund knapper Flächen, hoher Baukosten und Klimaziele an Grenzen stößt.
Auch Nachverdichtung, die Nutzung bestehender Gebäude sowie ressourcenschonende Bauweisen gewinnen an Bedeutung. Käufer achten zunehmend auf niedrige Betriebskosten, gute Energiekennzahlen und langfristige Werthaltigkeit.
Immobilien als Investment
Nach den außergewöhnlichen Boomjahren mit historisch niedrigen Zinsen normalisiert sich der Investmentmarkt. Wohnimmobilien bleiben eine attraktive Form der Vermögensanlage, allerdings mit realistischeren Renditeerwartungen von etwa 3 bis 3,5 Prozent.
Investoren legen künftig größeren Wert auf langfristige Stabilität statt auf kurzfristige Wertsteigerungen. Besonders gefragt sind energieeffiziente Objekte in guten Lagen sowie Immobilien mit geringem Sanierungsbedarf.
ESG-Nachhaltigkeitskriterien (Environmental, Social, Governance) und die laufenden Betriebskosten werden dabei zu wichtigen Faktoren für die Investitionsentscheidung.
Weitere Trends bis 2030
- Digitalisierung der Immobilienbranche: Künstliche Intelligenz, digitale Vermarktung, digitale Hausverwaltung Smart-Home-Technologien, virtuelle Besichtigungen und automatisierte Bewertungsverfahren verändern Kauf, Verkauf und Verwaltung von Immobilien. Die Digitalisierung verändert den gesamten Immobilienzyklus: Digitale Services werden zunehmend zum Standard.
- Leistbares Wohnen: Steigende Baukosten, hohe Grundstückpreise, strenge Bauvorschriften und hohe Finanzierungskosten erschweren den Neubau. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsräumen hoch. Dadurch gewinnen leistbare Wohnmodelle, geförderter Wohnbau und kleinere, effizient geplante Wohnungen an Bedeutung. Leistbarer Wohnraum und innovative Wohnkonzepte gewinnen weiter an Bedeutung.
- Bestand statt Neubau: Aufgrund von Klimazielen, Flächenknappheit und hohen Baukosten rücken Sanierungen, Dachgeschossausbauten und Nachverdichtungen stärker in den Fokus. Die Modernisierung bestehender Gebäude wird oft wirtschaftlich attraktiver als ein Neubau.
- Flexible Wohn- und Arbeitswelten: Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle erhöhen die Nachfrage nach flexiblen Grundrissen, zusätzlichem Arbeitsraum und gemeinschaftlich nutzbaren Flächen. Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle verändern die Anforderungen an Wohnungen. Gefragt sind: zusätzliche Arbeitszimmer oder flexible Grundrisse, gute digitale Infrastruktur, Gemeinschaftsflächen und Sharing-Konzepte.
- Qualität statt Quantität: Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend von möglichst großen Wohnflächen hin zu gut geplanten, energieeffizienten und langfristig leistbaren Immobilien.
- Regionale Unterschiede nehmen zu: Wachstumsregionen und Ballungsräume bleiben aufgrund des Zuzugs gefragt. Ländliche Regionen profitieren dort, wo Infrastruktur, Breitband und Verkehrsanbindung gut ausgebaut sind. Regionen mit Bevölkerungsrückgang könnten hingegen stärker unter Wertverlusten leiden.
- Finanzierung bleibt anspruchsvoll: Auch wenn sich das Zinsniveau gegenüber den Höchstständen stabilisieren sollte, werden Finanzierungen voraussichtlich nicht mehr so günstig sein wie in den Jahren vor 2022. Eigenkapital, Bonität und langfristige Finanzierungsplanung bleiben daher entscheidende Faktoren.
- Energieeffizienz wird zum Werttreiber: Immobilien mit guter Energiebilanz werden leichter vermietet und verkauft sowie langfristig wertstabiler sein. Gebäude mit schlechter Energieeffizienz könnten dagegen an Marktwert verlieren oder höhere Investitionen erfordern.
- Regulatorische Anforderungen: Bis 2030 werden Klimaschutz- und Energievorgaben den Immobilienmarkt weiter prägen. Eigentümer müssen verstärkt in Sanierungen, Heizsysteme und Energieeffizienz investieren. Gleichzeitig gewinnen ESG-Kriterien insbesondere für institutionelle Investoren an Bedeutung.
Diese Entwicklungen sprechen dafür, dass der Immobilienmarkt bis 2030 weniger von kurzfristigen Boomphasen geprägt sein wird, sondern stärker von Demografie, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und langfristiger Werthaltigkeit.






