Renoinvest-Aktionsplan zeigt Handlungsbedarf bei Investitionen in Gebäudesanierung auf.
Ohne Moos nix los – auch bei der Sanierung: Die Finanzierung gilt als zentraler Hebel für eine Steigerung der Sanierungsrate im Gebäudebestand. Zu diesem Ergebnis kommt das EU-geförderte Projekt Renoinvest, das nach zweieinhalb Jahren Laufzeit einen Aktionsplan sowie ein Policy Briefing vorgelegt hat. Ziel ist es, Investitionen in nachhaltige Gebäudesanierungen zu erleichtern und damit klima- und energiepolitische Vorgaben zu unterstützen.
Laut Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) und Umweltbundesamt stagniert die Sanierungsrate in Österreich seit Jahren und lag zuletzt 2022 bei rund 1,5 Prozent. Damit bleibt sie deutlich hinter den notwendigen Zielwerten zurück. Der Aktionsplan identifiziert insbesondere strukturelle Defizite bei Finanzierungsmodellen als wesentliche Ursache. „Finanzierung ist oft der ausschlaggebende Faktor für oder gegen eine Sanierung. Genau hier müssen wir ansetzen, wenn wir die Sanierungsrate erhöhen wollen“, sagte Wolfgang Amann, geschäftsführender Gesellschafter des IIBW. Einzelne Förderinstrumente seien nicht ausreichend, vielmehr brauche es kombinierte Modelle aus Zuschüssen, Darlehen, Garantien und Kapitalmarktinstrumenten.
Das Projekt Renoinvest – „Roundtables enhancing smart investments in sustainable renovation of buildings“ – lief von Oktober 2023 bis April 2026 und umfasste neben Österreich auch Ungarn und Slowenien. In Österreich waren neben dem IIBW auch Renovave.at als Innovationslabor beteiligt. Im Rahmen des Projekts wurden über 500 Experten aus Finanzwirtschaft, öffentlicher Hand und Immobilienbranche eingebunden. Insgesamt fanden 18 nationale und drei internationale Roundtables sowie mehr als 60 Arbeitsgruppentreffen statt. Daraus resultierten 50 Best-Practice-Beispiele und sechs Fallstudien.
„Wir haben im Projekt sehr eng mit Banken, Versicherungen und öffentlichen Akteuren gearbeitet und dabei ein belastbares Fundament für alternative Finanzierungsansätze geschaffen“, erklärte Susanne Formanek, Vorstand von Renovave.at und Geschäftsführerin von GrünStattGrau. Dieses Know-how solle nun in konkrete Maßnahmen überführt werden. Der Aktionsplan schlägt unter anderem die Einrichtung einer Wohnbau-Förderbank vor. Diese soll im Rahmen einer Public-Private-Partnership günstige Mittel, etwa von der Europäischen Investitionsbank, in den Wohnungssektor lenken und umfassende Sanierungen unterstützen.
Weitere Empfehlungen betreffen rechtliche Anpassungen sowie gezielte Unterstützungsmaßnahmen für Gemeinden. Kommunen sollen etwa durch Förderprogramme bei der Projektentwicklung und bei alternativen Finanzierungsmodellen entlastet werden. Auch gemeinnützige Wohnbauträger sollen stärker eingebunden werden. Begleitend sieht der Plan den Ausbau regionaler Beratungsstellen, die Einführung von Sanierungsfahrplänen sowie verstärkte Informationsmaßnahmen vor. Ziel ist es, Wissen zu bündeln und die Umsetzung von Sanierungsprojekten zu erleichtern.
Renovave.at soll künftig eine zentrale Rolle als Anlaufstelle und Kompetenzdrehscheibe übernehmen. „Wir bündeln hier Wissen, Erfahrung und Netzwerke. Ziel ist es, Orientierung zu schaffen und den Zugang zu passenden Finanzierungsmodellen zu erleichtern“, sagte Formanek. Mit dem Abschluss des Projekts liegt nun eine umfassende Analyse vor. Für die beteiligten Akteure steht nun die Umsetzung im Fokus. „Wir wissen, wo die Probleme liegen. Jetzt braucht es stabile Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle, die Investitionen tatsächlich auslösen“, betonte Amann. Sanierungen dürften nicht länger an Unsicherheit oder fehlender Planbarkeit scheitern.






