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InvestmentExpo 2026: Die Geopolitik entscheidet das Immobilienumfeld

von Charles Steiner
27. Mai 2026
in Deutschland, Europa, Events, Gewerbe, International, Logistik, Messen, Office, Retail, Wohnen
Vorige Woche ging im Zoo Palast in Wien die InvestmentExpo von Rueckerconsult über die Bühne. Bild: ©fuchsduhast - medienmanufaktur

Vorige Woche ging im Zoo Palast in Wien die InvestmentExpo von Rueckerconsult über die Bühne. Bild: ©fuchsduhast - medienmanufaktur

Die InvestmentExpo von Rueckerconsult brachte rund 830 Teilnehmer in den Zoo Palast in Berlin. Der Tenor der Panels war klar: Unsicherheit ist die neue Sicherheit – und Europa befindet sich auf der Speisekarte globaler Machtblöcke. Von dieser muss Europa weg – und die Immobilienwirtschaft ist ein Schlüssel dafür. immobilien investment war als österreichischer Medienpartner in Berlin dabei.

Man könnte, wie viele Teilnehmer der InvestmentExpo 2026 in Berlin sagen, aktuelle volkswirtschaftliche Zahlen und Rahmenbedingungen vortragen. Doch das wird die Durststrecke, in der sich die europäische Immobilienwirtschaft seit Mitte 2022 befindet, nicht vollumfänglich erklären können. Man muss den Kennzahlen auf den Grund gehen – und der liegt in den aktuellen geopolitischen Verwerfungen.

Der Vortrag zum Auftakt der InvestmentExpo von Rueckerconsult im Zoo Palast von Berlin von Herfried Münkler, Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin, hat den Grund für die volkswirtschaftliche Achterbahnfahrt deutlich gemacht. Drei globale Machtblöcke – USA, Russland und China – streben nach einer neuen Hegemonie; und Europa sitzt für sie nicht am Tisch, sondern befindet sich auf der Speisekarte. Es bleibt Europa damit nichts anderes übrig, seine gemeinsame Handlungsfähigkeit herzustellen, um nicht gefressen zu werden. Weil: Das ist für die Immobilienwirtschaft sehr wohl relevant.

Zumal gerade die deutsche Bundeshauptstadt Berlin als Livekulisse des hochkarätigen Events vor Augen führt, was passieren kann, wenn Europa zerteilt wird. Knapp drei Jahrzehnte war die Stadt durch eine Mauer getrennt, in dieser Zeit völlig konträre Stadtentwicklungen – und es dauert mindestens genauso lange, die Stadt wieder zusammenzufügen. Das Gefälle des kalten Kriegs zwischen Ost und West ist in keiner Stadt nach wie vor so präsent wie in Berlin.

Das hat nach der Wiedervereinigung für die Immobilienwirtschaft viele Chancen geboten und bietet sie auch jetzt. Allerdings: Man möge sich nicht vorzustellen, was es bedeutet, wenn Europa wieder zersplittert wird – vor allem für internationale Investoren, die neben Performance vor allem Rechtssicherheit als Hauptargument für Immobilieninvestments in Europa ins Treffen führen.

Mit den Folgen der geopolitischen Zangenbewegung auf Europa muss die Immobilienwirtschaft nun einmal arbeiten – ein Knochenjob, denn so richtig angelaufen sind die Märkte nicht. Entsprechend haben sich die Organisatoren auch bei den Betitelungen der Panels kein Blatt vor dem Mund genommen. „Geopolitische Risiken und neue Blockbildungen“, „Bröckelndes Betongold“, „Die neue Realität der Immobilienmärkte“ oder „Schlüsselindustrien im Umbruch“ – für die von der Nullzinsphase erfolgsverwöhnte und seit der Zinswende Mitte 2022 in Katerstimmung wähnende Immobilienwirtschaft schmerzliche Themen. Aber: Man muss darüber reden. Denn trotz der Düsternis der Weltlage gibt es auch Chancen – und die Immobilienwirtschaft ist der Schlüssel dazu, sofern sie die Realität als das, was sie ist, auch annehmen kann.

Die Zusammenstellung der Vortragenden und Paneldiskussionen hat letztendlich genau das widergespiegelt – trotz der wohl bewusst gesetzten provokanten Titel. Nämlich, welche Assetklassen gerade interessant sind, wie man mit dem Wandel umgehen kann, wer finanziert – und mit welchem Vehikel. Wie man die gesellschaftliche Verantwortung – beispielsweise bei erschwinglichem Wohnen – trotz des immensen Kostendrucks und politischen Knüppeln zwischen den Füßen der Entwickler tragen kann.

Auch, wie man gegenüber der Politik formuliert, dass Mietendeckel oder ähnliches vielleicht doch nicht funktionieren. Verschiedene Perspektiven traten zusammen, von Asset Managern, Developern, institutionellen Investoren, Banken, Fondsanbieter, Juristen, etc. gaben einen Überblick über die Lage und extrapolierten daraus individuelle Handlungsansätze. Beim Reden kommen die Leut z’samm, wie man in Österreich so schön sagt.

Aber nicht nur. Die geopolitisch erzwungene Konjunkturlage wirkt sich auch auf die Performance von Assetklassen aus – und entscheidet auch über deren weitere Nutzung. Beispielsweise Logistikimmobilien, die neben dem Online-Handel mit dem Defense-Bereich eine zusätzliche Nachfragegruppe aufweisen. Teilweise auch im Bürosektor. Was zuvor mit Hinblick auf ESG eher eine heikle Angelegenheit war, ist nun im Zuge der aktuellen geopolitischen Bedrohungslage kein Thema mehr. Mieter aus dem Bereich weisen Bonitätsstärke auf – und erweitern das S in ESG um den Bereich Security.

Fest steht, dass die Immobilienwirtschaft in Europa in Anbetracht der Bedrohungen handeln und Geschäftsmodelle adaptieren muss. Was keine einfache Aufgabe ist, weil eine Kalkulation für Projekte, die naturgemäß eine lange Vorlaufdauer aufweisen, im Anbetracht der Zinsvolatilität und Inflation kaum noch möglich ist. Diese Risiken im Kostenbereich abzufedern, wird noch eine Mammutaufgabe werden. Der beste Weg dahin: Sprechen und sich vernetzen. Die InvestmentExpo war der ideale Ort dafür.

Bilder: ©fuchsduhast - medienmanufaktur
Tags: BerlinInvestmentExpoRueckerconsult
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