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Family Offices: Immobilien bleiben Kernanlage, Wohnen im Fokus

von Charles Steiner
25. Februar 2026
in Deutschland, Gewerbe, International, Office, Wohnen
Für Family Offices sind vor allem Wohnimmobilien im Investmentprofil. Foto: pixabay.com

Für Family Offices sind vor allem Wohnimmobilien im Investmentprofil. Foto: pixabay.com

Hohe Immobilienquote, Deutschland im Zentrum der Allokation und steigende Nachfrage nach direkten Beteiligungen.

Family Offices halten trotz geopolitischer Spannungen, regulatorischer Eingriffe und struktureller Marktveränderungen an Immobilien als strategischer Kernanlage fest. Dabei dominieren Direktinvestments und Wohnimmobilien. Zu diesem Ergebnis kam das Webinar „Family Office Investment Insights – Strategien, Strukturen, Schwerpunkte“ im Rahmen der Reihe „Macro Matters – The Kingstone Real Estate View“. Laut dem im Oktober veröffentlichten Kingstone Family Office Real Estate Report 2025, für den 32 Family Offices aus dem DACH-Raum befragt wurden, sind mehr als 50 Prozent der Vermögen in Immobilien investiert. Rund 80 Prozent der Anlagen erfolgen direkt, ohne Fondsstrukturen.

„Family Offices agieren in einem Spannungsfeld aus makroökonomischen Veränderungen und strukturellen Megatrends. Entscheidend ist, wie diese Faktoren in eine langfristig tragfähige Allokationsstrategie übersetzt werden“, erklärte Maximilian Radert, Head of Product Development & Research bei Kingstone Real Estate. Direktanlagen spiegeln laut Tim Schomberg, CEO und Co-Founder von Kingstone Real Estate, das unternehmerische Selbstverständnis vieler Investoren wider: „Viele Family Offices verstehen Immobilien nicht nur als Anlageprodukt, sondern als unternehmerische Entscheidung. Kontrolle und Einflussnahme spielen eine zentrale Rolle.“

Bestätigt wurden die Ergebnisse von Vertretern zweier Family Offices: Marie Lindenstruth, Geschäftsführerin bei Lindenstruth & Cie., sagte, ihr Haus investiere in Deutschland ausschließlich direkt, um Nähe zum Objekt und eigene Steuerungsmöglichkeiten sicherzustellen. Auch Elena Reuter, Head of Real Estate bei Finvia Family Office, betonte, Immobilien würden im Heimatmarkt eigenständig identifiziert, strukturiert und gemanagt; unmittelbare Verantwortung sei für viele Mandanten entscheidend.

In der Nutzungsstruktur stellen Mehrfamilienhäuser mit 37,5 Prozent den größten Anteil dar, gefolgt von Büroimmobilien mit 25 Prozent. Während Büroinvestments selektiv geprüft werden, gewinnt das Wohnsegment weiter an Bedeutung. Lindenstruth kündigte an, den Wohnanteil künftig auszubauen. Die aktuellen Marktbedingungen böten attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Für Reuter erfüllen Immobilien vor allem eine stabilisierende Funktion im Portfolio; Kapitalerhalt und nachhaltige Wertentwicklung stehen im Vordergrund. Opportunistische Strategien bleiben begrenzt und dienen lediglich der Beimischung. Betreiberimmobilien wie Hotels oder Pflegeeinrichtungen spielen in den diskutierten Strategien derzeit keine wesentliche Rolle.

Auch die geopolitische Lage hat Auswirkungen auf das Anlageverhalten von Family Offices: Internationale Konflikte und regulatorische Eingriffe wirken sich spürbar auf Investitionsentscheidungen aus. Investoren berücksichtigen geopolitische Entwicklungen zunehmend in ihren strategischen Überlegungen. Gleichzeitig wird regulatorischen Rahmenbedingungen – etwa im Wohnungsmarkt – mit konservativen Kalkulationen begegnet. Investitionen sollen auch unter veränderten gesetzlichen Vorgaben tragfähig bleiben. Ein grundlegender Strategiewechsel ist daraus jedoch nicht abzuleiten. Radert verwies zudem auf strukturelle Einflussfaktoren wie Demografie, Dekarbonisierung und veränderte Arbeitsmodelle, die langfristig auf Immobilienmärkte wirken.

Auch steuerliche Aspekte standen im Fokus. Alexander Lehnen, Partner bei Heussen Rechtsanwälte, verwies auf die erwartete Entscheidung des deutschen Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer. Gesetzliche Anpassungen seien frühestens 2027 zu erwarten. Die aktuelle Bewertungssituation eröffne jedoch strategische Spielräume, insbesondere für Übertragungen und Strukturierungen im Immobilienbereich.

Die Renditeerwartungen der Family Offices liegen überwiegend zwischen vier und sechs Prozent. Während sicherheitsorientierte Investoren den Werterhalt priorisieren, streben wachstumsorientierte Anleger höhere Zielrenditen an. Schomberg betonte, beide Ansätze seien legitim, sofern sie konsistent umgesetzt würden. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die meisten Family Offices mit einem moderaten Ausbau ihres Immobilienengagements. Reuter berichtete von deutlich gestiegener Nachfrage nach Direktimmobilien, da Investoren die aktuelle Marktphase für selektive Zukäufe nutzen. Auch Lindenstruth bestätigte geplante weitere Investitionen, insbesondere in Deutschland.

Tags: Family OfficesFinviaKingstone Real EstateLindenstruth & Cie.
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