Unsicherheit über geopolitische Entwicklung prägt Gespräche auf der Immobilienmesse in Cannes – Österreich könnte dennoch als stabiler Investmentstandort profitieren.
Die internationale Immobilienbranche zeigt sich angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zunehmend besorgt. Auf der Immobilien- und Standortmesse MIPIM im südfranzösischen Cannes zählt die unsichere Lage zu den dominierenden Gesprächsthemen unter Investoren und Branchenvertretern, so das Team von EHL Immobilien in einer ersten Einschätzung.
„Stabilität und langfristige Planbarkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine nachhaltig positive Entwicklung der Immobilienmärkte“, erklärte Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe. Trotz der angespannten Situation herrsche jedoch bei vielen Marktteilnehmern die Erwartung einer raschen Stabilisierung vor: „Wir sprechen hier mit Geschäftspartnern aus aller Welt, bei denen trotz der Phase der Instabilität insgesamt der Optimismus und die Hoffnung auf eine schnelle Überwindung der aktuellen Situation überwiegen.“
Die aktuellen Entwicklungen könnten auch wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Investoren beobachten insbesondere mögliche Zinsanstiege sowie steigende Energiekosten mit Sorge. Gleichzeitig könne die geopolitische Lage aber auch Chancen für vergleichsweise stabile Märkte eröffnen. „Die globalen Auswirkungen wie vor allem die neuerlich steigenden Energiekosten betreffen natürlich auch Österreich“, so Ehlmaier. „Aber in einer Phase großer globaler Unsicherheiten gewinnt die relative Stabilität eines Landes wie Österreich stark an Bedeutung und kann auf Grund der geographischen Lage ein Investment in heimische Immobilien gerade für sicherheitsorientierte Investoren sehr interessant sein.“
Im Wohnimmobiliensektor bleibt die Nachfrage trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten stabil. Wohnraum gilt als vergleichsweise krisenresistente Anlageform, da sich die Nachfrage weniger stark an konjunkturellen Entwicklungen orientiert. „Die Urbanisierung ist ein globaler Megatrend. Junge Menschen kommen zur Ausbildung und zum Studium nach Wien und bleiben auch danach in der Stadt“, sagte Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting. Diese Binnenmigration führe zu einem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum und damit zu einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum. Internationale Investoren sehen insbesondere in Wien Potenzial.
Zwar seien die Renditen im internationalen Vergleich moderat, jedoch könnte die wachsende Angebotslücke bei Mietwohnungen künftig zu steigenden Mieten und Wertzuwächsen führen. Gleichzeitig warnen Branchenvertreter vor möglichen negativen Auswirkungen politischer Eingriffe in die Mietpreisbildung. „Die großen institutionellen Investoren, mit denen wir hier auf der MIPIM sprechen, agieren europaweit oder global und sind stark renditeorientiert. Eingriffe der Politik in den Markt werden sehr kritisch gesehen und veranlassen die Kapitalquellen oft dazu, in anderen, stabileren Regionen zu investieren“, sagte Pöltl.
Im Gegensatz zum Wohnsegment steht der internationale Investmentmarkt für Gewerbeimmobilien stärker unter dem Einfluss der schwachen Konjunktur. Höhere Finanzierungskosten und eine gestiegene Risikoaversion führen laut Branchenexperten zu einer selektiveren Nachfrage. „Höhere Finanzierungskosten, vorsichtigere Kapitalallokationen institutioneller Investoren und eine insgesamt erhöhte Risikoaversion führen zu einer geringeren Transaktionsdynamik“, erklärte Markus Mendel, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting GmbH.
Gleichzeitig entwickelten sich einzelne Segmente deutlich dynamischer. Besonders gefragt seien derzeit Hospitality-Immobilien wie Hotels, Serviced Apartments oder studentisches Wohnen. Wien profitiere dabei weiterhin von einer stabilen touristischen Nachfrage und seiner internationalen Attraktivität als Standort. Auch Rechenzentrumsstandorte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der Ausbau von Cloud-Infrastrukturen und der steigende Bedarf an Datenverarbeitung sorgen für eine wachsende Nachfrage nach geeigneten Flächen mit leistungsfähiger Stromversorgung und technischer Infrastruktur.
Der Markt für Büroimmobilien zeigt europaweit ein heterogenes Bild. Während viele deutsche Metropolen mit hohen Leerständen konfrontiert sind, bleibt das Angebot in Wien vergleichsweise knapp. „In vielen europäischen Metropolen, besonders in Deutschland, wurden bis 2023 sehr viele neue Büroflächen gebaut. Diese wurden aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Zeiten bis heute noch nicht vollständig vom Markt aufgenommen“, sagte Stefan Wernhart, Geschäftsführer der EHL Gewerbeimmobilien.
In Wien liege die Leerstandsrate derzeit bei rund 3,8 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau vieler anderer europäischer Städte. Gleichzeitig konzentriere sich die Nachfrage zunehmend auf hochwertige Flächen in zentralen Lagen. „Der Fokus liegt heute eindeutig auf qualitativ hochwertigen Flächen, die eine hohe Flächeneffizienz aufweisen und optimale Arbeitsbedingungen bieten“, so Wernhart. Nachhaltigkeitsaspekte spielten bei Standortentscheidungen derzeit eine geringere Rolle als in den vergangenen Jahren und seien für viele Unternehmen eher ein Zusatzkriterium als ein ausschlaggebender Faktor.
Insgesamt sehen Branchenvertreter den internationalen Gewerbeimmobilienmarkt weiterhin in einer Phase struktureller Anpassung. Für etablierte Standorte wie Wien ergeben sich laut EHL dennoch Chancen, auch in einem herausfordernden Umfeld internationales Kapital anzuziehen.






