Künstliche Intelligenz erobert die Welt – doch jede Anfrage braucht Strom, Rechenleistung und Infrastruktur. Die erste Auflage der ai competence des DMV della Lucia Medienverlags und Co-Host Insight widmete sich im Park Hyatt Vienna dem Backstage-Bereich der KI, ohne den keine Show stattfinden kann: Rechenzentren und Energieversorgung.
Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz geht rasend schnell. Erst Ende November 2022 brachte OpenAI ChatGPT auf den Markt. Nicht einmal vier Jahre später ist Künstliche Intelligenz zum Massenphänomen geworden. Rund 1,6 Milliarden Menschen weltweit nützen ChatGPT, Gemini, Claude oder andere diesbezügliche Anbieter. Die Einsatzmöglichkeiten von KI scheinen schier unbegrenzt. Analysen, Bilder, Videos, Straffung von Arbeitsabläufen, Maschinensteuerung – die Liste ließe sich deutlich erweitern – so gut wie alles ist mit KI machbar. Oder zumindest denkbar. Und ihr Leistungsumfang wächst exponentiell. Doch es gibt einen Flaschenhals. KI braucht Rechenzentren und diese brauchen wiederum Energie. So richtig viel Energie. Hält die gegenwärtige Infrastruktur in Österreich dem stand?
Ai competence auf Spurensuche
Mit der erstmals veranstalteten ai competence brachten DMV della Lucia Medienverlag und Co-Host Insight Technology Solutions im Wiener Park Hyatt mit Phillip Wallner, Experte für Rechenzentren und digitale Infrastruktur (Napfel GmbH) führende Vertreter aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Rechenzentrumsentwicklung und Energieversorgung zusammen. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die angesichts des weltweiten KI-Booms immer drängender wird: Wie können die steigenden Anforderungen an Rechenleistung, Infrastruktur und Energieversorgung nachhaltig bewältigt werden?
Bereits in der Keynote von Jan Schaumburg, Director of Solutions and Delivery Insight– DACH wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz die Anforderungen an Rechenzentren grundlegend verändert. Während klassische Serverleistungen bislang vergleichsweise gleichmäßig ausgelegt waren, erzeugen moderne KI-Anwendungen völlig neue Lastprofile. „Wir erleben einen Paradigmenwechsel. KI wird nicht mehr punktuell genutzt, sondern arbeitet rund um die Uhr“, lautete eine zentrale Aussage. Die Folge seien deutlich höhere Leistungsdichten und ein massiv steigender Energiebedarf.
Was Datacenter-Standorte brauchen
In der anschließenden von Phillip Wallner moderierten Diskussion wurde deutlich, dass die Frage nach geeigneten Standorten längst nicht mehr allein von verfügbaren Grundstücken abhängt. Mit den steigenden Anforderungen verändert sich auch die technische Infrastruktur. Luftgekühlte Systeme stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Wasserkühlung und neue Kühlkonzepte gelten als Schlüsseltechnologien, um die wachsenden Wärmelasten effizient beherrschen zu können, sagte MariusMählmann, Managing Director bei HOCHTIEF Data Center Partner. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Energieversorgung. Prognosen gehen von einem starken Anstieg des Strombedarfs durch Rechenzentren aus – nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich.
Entscheidend sind leistungsfähige Stromanschlüsse, stabile Netze, eine sichere Dateninfrastruktur und die Möglichkeit, nachhaltige Energiekonzepte umzusetzen. „Der Stromanschluss ist eines der entscheidenden Kriterien bei der Standortwahl“, so die Einschätzung von Reinhard Czerny, CFO Burgenland Energie. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Konzept dezentraler Edge-Rechenzentren. Anstatt ausschließlich auf große Hyperscale-Standorte zu setzen, könnten kleinere, regional verteilte Rechenzentren näher an den Nutzern entstehen. Diese würden nicht nur Latenzzeiten reduzieren, sondern auch einen Beitrag zur digitalen Souveränität leisten. „Viele Unternehmen wollen ihre geschäftskritischen Daten wieder näher an ihren eigenen Standorten wissen“, so Mählmann.
Ausbau Erneuerbarer Energie als Kostenargument
Aus Sicht der Energiewirtschaft wurde die KI-Debatte um eine weitere Dimension ergänzt. Rechenzentren seien die „Rückseite der KI“, denn jede Anwendung benötige Strom, Netze und stabile Infrastruktur. Die Herausforderung bestehe darin, den steigenden Energiebedarf mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und intelligenter Netzsteuerung in Einklang zu bringen. Gleichzeitig eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten, Energieflüsse effizienter zu steuern und Lastspitzen besser auszugleichen. Nicht nur das, wie Czerny ausführt: Der Mega-Trend KI löst einen weiteren Mega-Trend aus, nämlich erneuerbare Energieversorgung. Denn: Die Kombination aus Energieträger Sonne, Wasser, Wind und Erde ist am Ende günstiger als fossile Brennstoffe. Und bei massiv steigenden Energiebedarf ist das ein Kostenfaktor.
Einigkeit herrschte darüber, dass KI, Rechenzentren und Energieversorgung künftig nicht mehr getrennt betrachtet werden können sondern als System verstanden werden müssen. Nachhaltige KI-Lösungen, Kreislaufwirtschaft, die Nutzung von Abwärme und eine enge Zusammenarbeit zwischen Infrastrukturbetreibern und Energieversorgern wurden als zentrale Handlungsfelder identifiziert. Die Premiere von ai competence hat jedenfalls deutlich vor Augen geführt, dass KI ohne ihren Backstage-Bereich keine Bühne hat. Und je größer diese Bühne wird, desto höher sind die Anforderungen hinter den Kulissen.
Der zweite AI-competence Summit findet am 15. September statt. Unter diesem Link können Sie sich anmelden.










