Immobilienmesse in Cannes im Zeichen der Verunsicherung: Nach der kurzen Freude über den zarten Aufschwung der letzten Monate überwiegen die Bedenken über die Folgen des Nahost-Kriegs.
Eigentlich hatte man nach drei Jahren Blut, Schweiß und Tränen gehofft, der Immobilienmarkt kommt wieder in die Gänge. Die Transaktionsvolumina sind wieder gestiegen, es war mehr Bewegung im Markt, man freute sich über die zarte Erholung, die eingesetzt hat. Doch diese Freude ist jäh mit Beginn des Kriegs im Nahem Osten gewichen. Die Energiepreise steigen, was wiederum die Inflation einheizt und schon manch einer spricht aus, was man auf der MIPIM in Cannes gar nicht hören wollte: Die Zinsen könnten wieder steigen.
Entsprechend macht sich Verunsicherung breit. Zwar werden neue Produkte und Dienstleistungen Investoren vorgestellt, vor allem richtet man sich an institutionelle Anleger. Doch die sind nicht nur spärlicher vorhanden, sondern müssen ihrerseits die jetzige globalpolitische Situation einordnen. Heißt: Man wartet wieder ab, schaut, wie sich die Lage im Nahen Osten und deren Nachfolgeeffekte entwickeln, um daraus eine konkrete Investmententscheidung abzugeben.
Länderpavillons von Saudi Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate haben es jedenfalls schwer: Weil auch sie von Bomben und Drohnen getroffen werden, wirkt der Slogan „Invest in Saudi“ eher wie ein Relikt vergangener Tage. Der Andrang in diese Stände war jedenfalls verhalten. Ebenso bei den USA, seit Trump Europa und die Welt nicht nur mit Zöllen verprellt hat, sondern überhaupt völlig unberechenbar agiert. Von Geldgebern wird das nicht goutiert, zumal auch die US-amerikanische Wirtschaft darunter leidet. Und mit der Involvierung der USA im Iran-Krieg dürfte es noch komplizierter werden.
Doch für Europa ergeben sich mitunter Chancen. Investoren wollen Sicherheit, nicht nur im Sinne von Frieden, sondern vor allem wegen der rechtsstaatlichen Prinzipien. Während die Welt zunehmend in Willkür versinkt, sucht Geld klare Regeln – und bei Immobilien umso mehr. Auch wenn für manche Entwickler wieder warten müssen, ehe sie Projekte starten, sind Bestandsimmobilien hoch im Kurs. Und: Der Bürosektor gewinnt wieder an Attraktivität, sofern sie öffentlich gut angebunden sind und Nachhaltigkeitskriterien entsprechen – auch, um den War of Talents – junge Mitarbeiter – zu gewinnen.
Auch gewisse europäische Regionen können davon profitieren, darunter natürlich Österreich. Aber auch die Niederlande und die nordischen Staaten rittern um die Gunst der Investoren und haben einiges zu bieten. In den Niederlanden etwa der stärkere Fokus in Richtung Tech-Industrie, in Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen die hohen rechtlichen Standards, die stabile Wirtschaft wie auch ein hohes Maß an Transparenz.






