Kingstone Real Estate, HIH Invest, Catella IM und PTXRE: Stark steigende Preise und Mieten prägen Erwartungen am Wohnimmobilienmarkt bis 2029.
Die Preise für Wohnimmobilien sowie die Wohnungsmieten in Deutschland dürften in den kommenden vier Jahren weiter deutlich steigen. Vor diesem Hintergrund richten institutionelle Investoren ihren Blick verstärkt auf Core-Immobilien und auf öffentlich gefördertes Wohnen. Das geht aus Einschätzungen führender Investment- und Asset-Manager hervor, die im Rahmen einer Online-Pressekonferenz zum Wohn-Investmentmarkt 2026 am Montag präsentiert wurden. Nach Einschätzung der Marktteilnehmer bleibt das Wohnsegment im Vergleich zu anderen Nutzungsarten die stabilste Assetklasse. Trotz eines schwachen makroökonomischen Umfelds wirken sich strukturelle Faktoren wie Wohnungsknappheit und anhaltend hohe Nachfrage preisstabilisierend aus
„Vom makroökonomischen Umfeld sind keine Impulse für den Immobilienmarkt zu erwarten. Das Wohnsegment ist jedoch weitgehend davon unabhängig, da das Angebot knapp bleibt und die Nachfrage steigt“, erklärte Andreas Trumpp, Head of Market Intelligence & Foresight bei PTXRE. Sinkende Fertigstellungszahlen verschärften die Lage zusätzlich: Bis 2026 könnten weniger als 200.000 neue Wohneinheiten entstehen, nach mehr als 300.000 vor der Zinswende. Vor diesem Hintergrund erwartet PTXRE bis 2029 weiter steigende Neuvertragsmieten sowie einen deutlichen Preisanstieg in allen Städtekategorien. „Gegen Ende 2029 dürften sich in A-, B-, C- und D-Städten die Preise wieder auf dem Niveau des Peaks aus dem Jahr 2022 befinden“, so Trumpp.
Auch aus Investorensicht bleibt Wohnen ein Schwerpunkt. Lars Vandrei, Head of Research bei Catella Investment Management, betonte den Fokus auf risikoarme Produkte: „Unser Fokus bleiben Core- und Core+-Wohnimmobilien in Europa. Der deutsche Markt steht dabei weiter im Mittelpunkt, zugleich sehen wir Chancen etwa in den Niederlanden und in Spanien.“ Catella setze insbesondere auf Wohnungen mit „erschwinglichen Mieten“, die preislich zwischen gefördertem und freifinanziertem Wohnraum liegen. Neben Core-Investments gewinnen auch Value-Add-Strategien an Relevanz. Felix Meyen, Geschäftsführer von HIH Invest Real Estate, kündigte an, ausgewählten Investoren neue Ansätze anzubieten. „Wir kaufen ältere Objekte in etablierten Lagen, sanieren diese energetisch und veräußern sie anschließend“, sagte Meyen. Zudem prüfe man den Einstieg in baureife Projektentwicklungen. Wohnen bleibe dabei der zentrale Schwerpunkt der Investmentaktivitäten im Jahr 2026.
Besonders stark im Fokus institutioneller Anleger steht das öffentlich geförderte Wohnen. Simon Lieb, Geschäftsführer von Kingstone Real Estate, verwies auf die hohe Nachfrage: „Gefördertes Wohnen ist bei institutionellen Investoren klar gefragt. Für unseren ersten Fonds in diesem Segment haben wir 150 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben und befinden uns aktuell in der Investitionsphase.“ Die Kombination aus langfristiger Planungssicherheit und gesellschaftlichem Mehrwert mache das Produkt attraktiv. Lieb: „Die Chancen des öffentlich geförderten Wohnens liegen in der Verbindung von Investitionssicherheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Für Investoren bietet das Produkt einen langfristigen Anlagehorizont mit regelmäßig über die gesamte Mietbindungsdauer gesicherter Zinssicherheit zu attraktiven Konditionen. Gleichzeitig sorgt die bundesweit hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum für geringe Leerstandsquoten und stabile Erträge.
Auch die Renditeerwartungen bleiben moderat. Laut Vandrei verlangen Investoren in sehr guten Lagen derzeit Ausschüttungsrenditen von rund 3,0 bis 3,5 Prozent pro Jahr. „Vier Prozent werden zwar häufig gewünscht, sind aber aus unserer Sicht wenig realistisch“, so Vandrei. Meyen hingegen sieht die Zielrenditen bei Core-Produkten etwas höher, zwischen 3,5 und 4,0 Prozent jährlich.
Neben Deutschland sehen die Marktteilnehmer Chancen in ausgewählten europäischen Märkten. „Besonders Spanien und die Niederlande bieten derzeit Potenzial, vor allem bei energieeffizienten Wohnimmobilien mit leistbaren Mieten“, sagte Vandrei. Auch Irland werde als interessant eingeschätzt, wenngleich der Markt dort als volatil gelte. Insgesamt zeigt sich der Wohnimmobilienmarkt aus Sicht der Experten robust. Steigende Preise, ein knappes Angebot und das wachsende Interesse an gefördertem Wohnen dürften institutionelle Investoren auch in den kommenden Jahren beschäftigen.






