S Real: Sommerlicher Wärmeschutz und Kühlung gewinnen bei Immobiliensuche, Neubau und Sanierung an Bedeutung. Auch die Anforderungen an die Immobilienberatung verändern sich.
Die zunehmende Zahl heißer Tage und Tropennächte verändert nach Einschätzung von S Real die Anforderungen an Wohnimmobilien in Österreich. Neben klassischen Kriterien wie Lage, Größe und Preis rücken sommerlicher Wärmeschutz, Kühlmöglichkeiten, Beschattung und begrünte Außenflächen stärker in den Fokus von Wohnungssuchenden. Gleichzeitig gewinnt die Anpassung an höhere Temperaturen bei Neubauten und Sanierungen an Bedeutung.
Wie stark sich die klimatischen Bedingungen bereits verändert haben, zeigen Daten von GeoSphere Austria für die Messstation Wien Hohe Warte. In der Klimanormalperiode von 1991 bis 2020 wurden dort durchschnittlich 1,8 Wüstentage mit mindestens 35 Grad Celsius und 6,4 Tropennächte mit mindestens 20 Grad Celsius pro Jahr registriert. 2024 waren es drei Wüstentage und 26 Tropennächte. Bis zum 12. August 2026 wurden bereits 14 Wüstentage und 23 Tropennächte gezählt.
„In den letzten Jahren hat sich der Anforderungskatalog bei der Immobiliensuche erweitert. Lage, Größe und natürlich die Kosten sind nach wie vor entscheidend. Hinzu kommt nun immer öfter die Frage, wie angenehm und auch wie gesund das Wohnen in der Immobilie an heißen Sommertagen ist“, sagt Martina Hirsch, Geschäftsführerin von S Real Immobilien.
Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um Dachgeschoßwohnungen. Gebäudeausrichtung und -form, außenliegender Sonnenschutz, Dämmung, Grünflächen sowie Klimaanlagen oder Wärmepumpen mit Kühlfunktion spielen laut S Real zunehmend eine Rolle bei Besichtigungen. Bei Bestandsimmobilien ohne Kühlsystem werde zudem häufiger nach Möglichkeiten einer nachträglichen Installation oder nach alternativen Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung gefragt.
Das wirkt sich auch auf Neubauprojekte aus. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur Wien könnte sich der Kühlbedarf von Gebäuden in Österreich bis 2050 mehr als verdoppeln. Gebäude, die heute geplant oder umfassend saniert werden, müssen damit zunehmend auch auf höhere Temperaturen während ihrer künftigen Nutzungsdauer ausgelegt werden.
„Ein umfassendes Kühlungskonzept ist heute bereits in vielen Bauplanungen fest verankert. Wir sehen, dass Entwickler die neuen Bedürfnisse berücksichtigen“, sagt Hirsch. Außenbeschattung, Klimaanlagen beziehungsweise deren technische Vorbereitung sowie Kühlsysteme über Betonkernaktivierung oder Wärmepumpen würden sich zunehmend in Bau- und Ausstattungsbeschreibungen finden.
Größer dürfte die Herausforderung im Gebäudebestand sein. Viele bestehende Immobilien wurden zu Zeiten errichtet, in denen längere Hitzeperioden weniger häufig auftraten. Damit steigt laut S Real der Bedarf an nachträglichem Sonnenschutz, Kühlsystemen und weiteren Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung.
Auch bei Nachhaltigkeitszertifizierungen spielt der thermische Komfort mittlerweile eine Rolle. Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), sieht darin eine langfristige Aufgabe für die Branche. „Wir dürfen nicht länger Gebäude für ein Klima sanieren und bauen, das es nicht mehr gibt. Komfortabel und gesund im Klimawandel leben, ohne von den Betriebskosten ruiniert zu werden, soll unser gemeinsames Ziel sein.“ Damit rücken neben der technischen Machbarkeit auch Energieverbrauch und laufende Kosten in den Mittelpunkt. Maßnahmen zur Kühlung müssen demnach nicht nur ausreichenden sommerlichen Komfort gewährleisten, sondern auch wirtschaftlich und energetisch tragfähig sein.
Die steigenden Temperaturen verändern laut S Real schließlich auch die Beratung beim Kauf oder bei der Miete. Eigenschaften einer Wohnung können dabei je nach individuellen Bedürfnissen unterschiedlich bewertet werden. „Eine Dachgeschoßwohnung mit Balkon und viel Sonne kann für die einen ein absoluter Wohntraum sein, während sie für andere Menschen an heißen Sommertagen eine größere Belastung darstellen kann“, sagt Hirsch.
Aufgabe der Beratung sei es daher, die jeweiligen Eigenschaften einer Immobilie transparent darzustellen. „Unsere Aufgabe ist es nicht, Empfehlungen für oder gegen eine Immobilie auszusprechen, sondern transparent über ihre Eigenschaften zu informieren und mögliche Auswirkungen auf den Wohnkomfort aufzuzeigen“, so Hirsch.
Aus Sicht von S Real dürfte die Klimafitness damit zunehmend auch für den langfristigen Wert einer Immobilie relevant werden. „Eine klimafitte Immobilie bedeutet mehr Wohnkomfort, schützt die Gesundheit der Bewohner und trägt gleichzeitig zum langfristigen Werterhalt der Immobilie bei“, sagt Hirsch.






