Gastkommentar von Dr. Thilo Hoffmann: Trump rüstet zum letzten Gefecht, während sein Hofstaat bereits über die Flucht scherzt. In Washington wird aus Größenwahn langsam Galgenhumor.
Donald Trumps letzte, auffallend blonde Pressesprecherin hielt nicht einmal eine Woche durch. Bei der Nachfolge setzt der Präsident nun auf Erfahrung in der Konfliktlösung: Dana White, Chef der amerikanischen Käfigkampf-Liga UFC, ein „gewalttätiger Kämpfer und Krieger“, wie Trump ihn nennt, soll künftig erklären, was der Präsident eigentlich meint. Man kann das konsequent finden. Wo die Argumente knapp werden, ist Körpersprache ein bewährter Ersatz.
Sechs weitere Kampfsportler hätte Trump gern als Berater dazu, „obwohl einige nicht aus unserem Land sind“. Zwei davon Russen aus Dagestan. „Wir brauchen diese Leute, um uns gegen die verrückte Linke zu verteidigen“, erklärt der Präsident. America First hat eben seine Grenzen. Die amerikanische Demokratie wird künftig offenbar im Würgegriff verteidigt, und aus dem Presseraum wird das Octagon. Wer eine unangenehme Frage stellt, bringt besser einen Zahnschutz mit.
Dabei hätte der Präsident durchaus Grund zu größerer Bescheidenheit. Die Demokraten haben ihm beide Kammern abgenommen und selbst in republikanischen Hochburgen wie Kansas, South Carolina und Texas triumphiert. Es ist die schwerste Niederlage seit den Wahlen nach Watergate. Aus dem selbst ernannten größten Präsidenten aller Zeiten könnte bald ein politischer Insolvenzverwalter in eigener Sache werden.
Seine Getreuen sind da vorausschauender. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf vier Teilnehmer einer internen Videokonferenz berichtet, scherzten Trumps wichtigste Strategen schon vor der Wahl über Gefängnisessen, Begnadigungen und politisches Asyl in Israel. „Ich regle gerade meine letzten Dinge“, sagte Wahlkampfstratege James Blair. „Vielleicht bekommen wir ja Asyl in Israel“, legte der Meinungsforscher Tony Fabrizio nach. Dumm nur, dass Benjamin Netanjahus Lager am Tag davor ebenfalls die Mehrheit verfehlt hatte. Bleibt Moskau. Donald Trump Jr. hat dort immerhin einen Draht: Der Putin-nahe Oligarch Umar Kremlew hat ihm Teile seiner Hochzeitsfeier ausgerichtet und ist mit ihm in der Mongolei auf die Jagd gegangen. Wer gemeinsam mit einem Oligarchen bedrohte Wildschafe erlegt, hat auch ein Gästezimmer gut.
Ab Jänner wird es ungemütlich. „Nehmt euch Anwälte“, schrieb der künftige Chef des Kontrollausschusses noch in der Wahlnacht, sein Kollege im Senat beschränkte sich auf ein einziges Wort: „Vorladungen“. Aus „You’re fired!“ wird „You’re subpoenaed!“. Der Mann, der im Boardroom die Daumen senkte, sitzt erstmals auf dem heißen Stuhl. Ein Amtsenthebungsverfahren fürchtet er „nicht einmal ein kleines bisschen“. So pfeift man im dunklen Wald.
Wer jetzt schon über einen vorzeitigen Rücktritt tuschelt, kennt Trump schlecht. Er würde den Auszug als Eröffnung verkaufen: mit goldener Abschiedsurkunde, Militärparade und eigener Kryptowährung als Ablöse. Das schönste Haus, das je geräumt wurde, wie man hören wird. Noch sitzt er im Oval Office, in einem Haus, das er eigens mit einem Ballsaal ausbauen ließ, nur um festzustellen, dass niemand mehr tanzen will. Der Mietvertrag läuft bis 2029, aber die Hausverwaltung heißt jetzt Kongress. Der Mann, der die Kunst des Deals erfunden haben will, verhandelt nun um sein Hausrecht.
Vielleicht ist das die eigentliche Götterdämmerung: Nicht der große Knall, nicht der dramatische Sturz des Titanen. Sondern das langsame Erwachen in einer Welt, in der niemand mehr Angst vor ihm hat. Nicht einmal die eigenen Leute.
Bei Wagner kehrt das Gold am Ende in den Rhein zurück, Walhall brennt, und die Götter gehen mit. Trump geht den umgekehrten Weg: Er hat sein vergoldetes Oval Office zum Nationaldenkmal erklärt, damit seine Nachfolger es nicht so leicht anrühren können. Damit es möglichst lange so aussieht, „als hätte Saddam Hussein eine Cheesecake Factory eröffnet“, wie Barack Obama scherzte.
Die Götterdämmerung hat begonnen. Nur der Gott selbst hält sie noch für einen Sonnenaufgang. Südlage, versteht sich. Und vermutlich der schönste, den die Welt je gesehen hat.






