ÖBB revitalisieren denkmalgeschütztes Bauwerk am Areal des ehemaligen Nordbahnhofs zu einem Café mit Gastgarten und konsumfreier Zone.
Der denkmalgeschützte Wasserturm am ehemaligen Nordbahnhof in der Wiener Leopoldstadt wird bis Mitte 2026 zu einem gastronomischen und kulturellen Treffpunkt umgebaut. Die ÖBB-Infrastruktur AG startet damit die Revitalisierung eines zentralen Industriebaudenkmals im neuen Stadtviertel rund um die sogenannte Freie Mitte. Geplant ist ein Café mit Gastgarten, das als Landmark und konsumfreier Begegnungsort dienen soll.
Für den Turm ist eine gastronomische Nutzung vorgesehen. Im Innenraum sind rund 45 Sitzplätze auf etwa 114 Quadratmetern geplant, im Gastgarten weitere 70 Plätze auf rund 200 Quadratmetern. Das Angebot soll Frühstück, Snacks sowie kalte und warme Getränke umfassen. Der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Alexander Nikolai, sieht in dem Projekt einen neuen Identifikationspunkt: „Der Wasserturm entwickelt sich zu einem neuen Treffpunkt für die Leopoldstadt und ist zugleich das prägende Wahrzeichen des Nordbahnviertels.“ Wichtig sei, „dass der historische Charakter erhalten bleibt und es konsumfreie Zonen für alle Menschen im Bezirk gibt“.
Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG, bezeichnete das Projekt als wichtigen Schritt in der Quartiersentwicklung: „Der Wasserturm ist weit mehr als ein historisches Bauwerk – er ist ein Stück Identität für das Nordbahnhofsareal. Seine Revitalisierung zeigt, wie wir Geschichte bewahren und gleichzeitig neue, lebendige Räume schaffen können.“ Der Turm werde künftig „ein lebendiger Treffpunkt sein, an dem sich Menschen begegnen und Natur im neuen Stadtviertel erleben können“.

Der markante Backsteinturm wurde 1890 als Wasserspeicher für Dampflokomotiven errichtet und ist eines der letzten sichtbaren Relikte des einst größten Bahnhofs der Monarchie. Seit dem Ende des Dampfbetriebs in den 1970er-Jahren stand das Gebäude leer, prägte aber weiterhin das Areal des ehemaligen Nordbahnhofs. Im Zuge der Revitalisierung bleibt die äußere Erscheinung vollständig erhalten. Die Vollziegelfassade wird gereinigt, Fenster werden saniert oder rekonstruiert. Auch ein Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg bleibt als historisches Detail sichtbar. Der Sockelbereich erhält eine umlaufende Sitzstufe, zudem wird das Gebäude unterkellert und über die Leystraße neu erschlossen.
Im Inneren entsteht der Gastronomiebereich mit einer Raumhöhe von bis zu 13 Metern. Dort sollen vier historische Skulpturen einen neuen Platz finden, die ursprünglich im Hofwartesalon des Nordbahnhofs standen. Sie symbolisieren die Städte Wien, Brünn, Olmütz und Krakau und werden nach Jahrzehnten erstmals wieder öffentlich zugänglich. Der Wasserturm ist Teil der Freien Mitte, eines rund 10 Hektar großen Grünraums im Zentrum des neuen Nordbahnhofsviertels. Das Areal umfasst mehr als 90.000 Quadratmeter und verbindet Naturschutz, Freizeit und Klimaanpassung.






