Beim 4. immobilien investment Kongress im Park Hyatt Vienna diskutierten internationale Experten über Europas wirtschaftliche, geopolitische und technologische Herausforderungen. Im Fokus standen Resilienz, Energieeffizienz, Logistik, Defence, Investments und Retail.
Europa ist im Übergang, geopolitische Kräfte zwingen zum Handeln: Unter dem Motto „Recharging Europe – Europas Zukunft neu beleben“ fand am 4. November 2026 im Park Hyatt Vienna der 4. immobilien investment Kongress statt. Initiatorin Elisabeth della Lucia, Geschäftsführerin der DMV – della lucia medien & verlags GmbH, brachte erneut Experten aus Immobilienwirtschaft, Investment, Forschung und Technologie zusammen. Durch den Kongresstag führte der ehemalige ORF-ZIB-Moderator Gerald Groß.
Den Auftakt machte Mario Herger, Technologietrendforscher, Bestsellerautor und KI-Experte aus dem Silicon Valley. Er spannte den Bogen von historischen Innovationen wie Aufzug und moderner Küche bis zu Künstlicher Intelligenz, Robotik und autonomem Fahren. Seine zentrale These: Technologischer Fortschritt verändert nicht nur einzelne Produkte, sondern ganze Lebenswelten – und damit auch die Anforderungen an Immobilien.
Im Panel „Das Ende der Globalisierung?“ diskutierten Thomas Gindele von der Deutschen Handelskammer in Österreich, Peter Brandner vom Bundesministerium für Finanzen und Dominik Zöhrer von Fundamental Finance unter der Moderation von Hans Volkert Volckens von Blacklake Management über Europas wirtschaftliche Position in einem zunehmend geopolitisch geprägten Umfeld.
Im Mittelpunkt standen internationale Lieferketten, finanzielle Stabilität, Staatsverschuldung sowie die Frage, wie viel strategische Eigenständigkeit Europa künftig benötigt. Die Diskussion machte deutlich, dass wirtschaftliche Vernetzung weiterhin Vorteile bietet, Abhängigkeiten in einem veränderten geopolitischen Umfeld aber zunehmend als Risiko wahrgenommen werden.
Wie stark ökologische und wirtschaftliche Fragen mittlerweile ineinandergreifen, zeigte das Panel zu Energie, ESG und Kostendruck. Unter der Moderation von Gabriela Maria Straka vom MANZ Verlag diskutierten Johannes Fütterer von aedifion, Hubert Abt von workcloud24 und Peter Engert von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI).
Dabei ging es weniger um neue technische Möglichkeiten als um die effizientere Nutzung bereits vorhandener Systeme. Datenbasierter Gebäudebetrieb, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz können Betriebskosten reduzieren – müssen aber wirtschaftlich darstellbar bleiben. Nachhaltigkeit wurde damit nicht als isoliertes Ziel, sondern als Zusammenspiel von Ökologie, Kosten und langfristiger Nutzbarkeit betrachtet.
Einen der geopolitischen Schwerpunkte des Kongresses bildete das Panel „Die neue Logik der Logistik“. Thomas Beyerle von der Hochschule Biberach, Tobias Kassner von GARBE Industrial Real Estate und Thomas Karmann von BNP Paribas Asset Management – Alts diskutierten unter der Moderation von Charles Steiner, immobilien investment, über Infrastruktur, Logistik und Defence.
Dabei zeigte sich rasch, dass sich der Defence-Sektor immobilienwirtschaftlich nur schwer klar abgrenzen lässt. Neben klassischen Verteidigungsunternehmen umfasst die Wertschöpfungskette Zulieferer, Komponentenhersteller und Dual-Use-Nutzer. Für Investoren bleiben jedoch bekannte Kriterien entscheidend: Standortqualität, Drittverwendungsfähigkeit, Sicherheitsanforderungen und langfristige Wiedervermietbarkeit.
GARBE Industrial sieht europaweit bis 2030 ein für institutionelle Investoren und Entwickler zugängliches Nachfragepotenzial von 7,5 bis 14,9 Millionen Quadratmetern. Ein kurzfristiger Boom lässt sich daraus dennoch nicht ableiten. Zwischen steigenden Verteidigungsbudgets und konkretem Flächenbedarf liegen Beschaffung, Auftragsvergabe, Kapazitätsplanung und Projektentwicklung. Defence dürfte damit eher schrittweise zu einem zusätzlichen strukturellen Nachfragetreiber werden.
Einen anderen Blick auf geopolitische Risiken brachte Architekt und Verleger Philipp Meuser ein. In seinem Vortrag über das Bauen vor, während und nach Krisen zeigte er anhand internationaler Beispiele, welche Rolle Architektur bei der Sicherheit von Gebäuden und Menschen spielen kann.
Insbesondere im Krieg werde Szenarienplanung zur zentralen Planungsaufgabe. Gebäude müssten auch unter außergewöhnlichen Bedingungen möglichst lange funktionsfähig bleiben. Zugleich stellte Meuser die Frage nach dem Wiederaufbau nach Konflikten: Gerade bei zerstörten Wohngebäuden treffen technische Aufgaben auf komplexe Eigentumsverhältnisse, Finanzierungsfragen und rechtliche Rahmenbedingungen.
Dass sich auch die Investmentlogik grundlegend verändert hat, diskutierten Gerhard Lehner von Savills Investment Management, Carsten Demmler von HIH Invest Real Estate und Martin Schaffer von mrp hotels unter der Moderation von Andreas Trumpp von der KGAL-Gruppe.
Nach dem Ende des Niedrigzinsumfelds haben sich Renditeanforderungen und Preisvorstellungen verschoben. Besonders deutlich zeigt sich die Spreizung bei Büroimmobilien: Hochwertige Objekte in guten Lagen bleiben gefragt, während durchschnittliche Immobilien stärker unter Druck geraten.
Chancen sehen die Experten weiterhin bei Büro, Logistik und Wohnen sowie bei ausgewählten Handelsimmobilien. Für Hotels bleibt die Situation differenziert: Der Tourismus hat sich erholt, gleichzeitig drücken höhere Kosten und ein gewachsenes Angebot auf die Profitabilität. Entscheidend sind damit weniger pauschale Assetklassen als Lage, Betreiberqualität, Cashflow und Anpassungsfähigkeit.
Zum Abschluss rückte der Handel in den Mittelpunkt. Jana Heissenberger von Woolworth Österreich, Hannes Teschl von Lidl Österreich und Danijela Durić von KROCON Asset Management diskutierten unter der Moderation von Romina Jenei von RegioPlan über die Zukunft von Retailimmobilien.
Während preisorientierte Konzepte und Nahversorger weiter expandieren, entwickeln sich große Einkaufszentren zunehmend zu Freizeit- und Erlebnisdestinationen. Dazwischen geraten traditionelle Handelskonzepte unter stärkeren Anpassungsdruck.
Gleichzeitig gewinnt die Nachnutzung bestehender Immobilien an Bedeutung. Ehemalige Handelsflächen könnten neue Konzepte aufnehmen, häufig bremsen jedoch langwierige Widmungs- und Genehmigungsverfahren die Umsetzung. Flexibilität betrifft damit nicht nur Gebäude, sondern zunehmend auch die regulatorischen Rahmenbedingungen.
Der 4. immobilien investment Kongress spannte damit bewusst einen breiten Bogen: von technologischem Wandel über Europas wirtschaftliche Eigenständigkeit, Energie und Resilienz bis zu Defence, Kapitalmärkten und neuen Nutzungskonzepten.
Dabei ging es nicht darum, eine einfache Antwort auf Europas Herausforderungen zu liefern. Vielmehr zeigte sich über die einzelnen Panels hinweg ein gemeinsamer Nenner: Die alten Gewissheiten tragen nicht mehr uneingeschränkt. Kapital wird selektiver, Sicherheit gewinnt an Bedeutung, Technologie verändert Nutzungsmuster und wirtschaftliche Effizienz wird wieder stärker zum Entscheidungskriterium.






