Wiener Fachgruppe fordert leistbare Logistikflächen und Umschlagplätze innerhalb der Stadt. Der Masterplan Urbane Logistik sieht bereits Infrastrukturmaßnahmen von Terminals bis zu Mikro-Hubs vor – die Spediteure orten dennoch zusätzlichen Flächenbedarf.
Die Wiener Spediteure fordern im Zusammenhang mit dem neuen Masterplan Urbane Logistik der Stadt Wien eine stärkere Absicherung von Logistikflächen und Umschlagplätzen im Stadtgebiet. Aus Sicht der Fachgruppe Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Wien müsse urbane Logistik über Paketlieferungen und Lösungen für die unmittelbare letzte Meile hinausgedacht werden.
„Paketboxen sind sinnvoll, aber sie helfen nur dem letzten Teil der Logistikkette“, sagt Jürgen Bauer, Obmann der Fachgruppe Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Wien. Bevor Waren zum Endkunden gelangen könnten, müssten sie in die Stadt transportiert, umgeschlagen und für die weitere Verteilung gebündelt werden.
Der im Mai 2026 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Masterplan Urbane Logistik versteht sich als Gesamtstrategie für die städtische Logistik. Neben der letzten Meile berücksichtigt das Papier ausdrücklich auch stadtgrenzen- und länderüberschreitende Güterströme. Als zentrale Handlungsfelder werden Transportmittel und Verkehrsträger, Infrastruktur sowie die Einbindung von Stakeholdern genannt.
Für die letzte Meile sollen unter anderem Mikro-Hubs und sogenannte White-Label-Paketboxen ausgebaut werden. Das „Nextbox“-Netzwerk soll laut Masterplan bis 2030 von derzeit rund 750 auf etwa 1.600 Boxen wachsen. Gleichzeitig sieht die Strategie die Nutzung leerstehender Geschäftsflächen für gemeinsam genutzte Mikro-Hubs vor, um Waren zu bündeln und Lieferfahrten zu reduzieren.
Die Wiener Spediteure sehen allerdings darüber hinaus Bedarf an größeren Flächen für den B2B-Verkehr. Stückgut, Möbel, Weißware, Baumaterialien oder Gastronomielieferungen könnten nicht über kleinteilige Paketlösungen abgewickelt werden. Dafür seien entsprechende Umschlag-, Rangier- und Zustellflächen erforderlich.
Als besonders geeignete Bereiche nennt die Fachgruppe die Donau- und Hafenachse sowie großflächige Betriebszonen in der Donaustadt und im Süden Wiens. Diese Gebiete sollten aus Sicht der Spediteure langfristig als stadtnaher Logistikraum gesichert werden. „Logistik ist kein Nebenthema des Onlinehandels, sondern Voraussetzung dafür, dass Handel, Gewerbe, Baustellen, Produktion und die Versorgung der Stadt überhaupt funktionieren“, sagt Bauer. Auch bei neuen Stadtentwicklungsgebieten sollten leistbare Logistikflächen deshalb frühzeitig berücksichtigt werden.
Nach Angaben der Wirtschaftskammer sind Industrie, Gewerbe und Logistik gemeinsam auf rund fünf Prozent der Wiener Stadtfläche in Betriebszonen untergebracht. Von diesen Flächen seien nur noch rund sechs Prozent unbebaut. Die Fachgruppe warnt deshalb davor, dass großflächige Logistiknutzungen zunehmend ins Wiener Umland verdrängt werden könnten.
Dies würde aus ihrer Sicht längere Transportwege verursachen und könnte damit sowohl Verkehrsaufkommen als auch betriebliche Kosten erhöhen. Bei elektrisch betriebenen Lieferfahrzeugen kämen zusätzliche Anforderungen an Reichweite und Ladeinfrastruktur hinzu. „Wer Logistik aus der Stadt drängt, produziert am Ende mehr Verkehr statt weniger“, sagt Bauer. Aus Sicht der Fachgruppe brauche eine stadtverträgliche Last-Mile-Logistik daher nicht nur emissionsarme Fahrzeuge und Paketboxen, sondern auch ausreichend Flächen für den vorgelagerten Warenumschlag.






