WKÖ und ÖVI drängen auf Einbindung der Immobilienwirtschaft in die geplanten Maßnahmen – Hitzeschutz soll Teil einer umfassenden Wohnrechts- und Sanierungsreform werden.
Die Immobilienwirtschaft fordert, das von der Bundesregierung angekündigte Hitzeschutzpaket nicht isoliert umzusetzen. Sowohl der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) als auch der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) sprechen sich für rasche Maßnahmen aus, verlangen jedoch deren Einbettung in eine umfassende Sanierungs- und Wohnrechtsreform.
Nach Ansicht des WKÖ-Fachverbands sollte das Hitzeschutzpaket auf den Ergebnissen der bereits laufenden Arbeitsgruppe zur Sanierungsstrategie aufbauen. Dort arbeiten seit dem Frühjahr Vertreter der zuständigen Ministerien, Sozialpartner und Experten an Maßnahmen zur thermisch-energetischen Sanierung, Dekarbonisierung, Energieversorgung, Finanzierung sowie an wohnrechtlichen Rahmenbedingungen.
„Der aktuelle Umlauf-Ministerratsbeschluss greift zwar ein wichtiges Thema auf, löst den Hitzeschutz jedoch aus dem Gesamtprozess heraus. Damit werden bestehende Gespräche und die Expertise der Arbeitsgruppe umgangen. Das schafft Parallelstrukturen und gefährdet eine abgestimmte Gesamtlösung“, kritisierte Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer.
Hitzeschutz sei längst keine Komfortfrage mehr, sondern eine zentrale Herausforderung für den Gebäudebestand. „Gerade deshalb braucht es fachlich fundierte, rechtssichere und praktikable Lösungen. Diese können nur gemeinsam mit denjenigen erarbeitet werden, die ihre Auswirkungen in der Praxis tragen“, so Oberndorfer.
Aus Sicht des Fachverbands stehen Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung in engem Zusammenhang mit Dämmung, Lüftung, Heizungsumstellung, moderner Gebäudetechnik sowie Fragen der Finanzierung und Kostenverteilung. „Hitzeschutz auf die erleichterte Montage einzelner Geräte zu reduzieren, greift zu kurz. Wir brauchen eine Gesamtstrategie, in der technische, wirtschaftliche und wohnrechtliche Maßnahmen sinnvoll ineinandergreifen. Nur so schaffen wir nachhaltige Lösungen für Eigentümer sowie Mieter“, erklärte Oberndorfer.
Der Fachverband verweist darauf, bereits konkrete Vorschläge in die Arbeitsgruppe eingebracht zu haben. Diese umfassen unter anderem rechtssichere Regelungen für Klimageräte ohne außenliegende Aggregate sowie Bestimmungen zu Zustimmung, Wartung, Rückbau und Kosten. Der Ministerratsvortrag solle daher mit den laufenden Arbeiten abgestimmt werden.
Auch der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft unterstützt Erleichterungen beim Einbau von Klimaanlagen, kritisiert jedoch, dass gleichzeitig angekündigte Reformen zur thermischen Sanierung und Dekarbonisierung des Gebäudebestands ausbleiben. „Es wäre ein Anachronismus, wenn Vermieter den Einbau individueller Klimaanlagen künftig dulden müssten, gleichzeitig aber einzelne Mieter den Austausch einer fossilen Heizungsanlage oder andere Dekarbonisierungsmaßnahmen weiterhin blockieren können“, erklärte ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel.
Nach Ansicht des Verbands dürften Klimaanpassung und Klimaschutz nicht getrennt voneinander behandelt werden. „Es ist widersprüchlich, den Einbau individueller Klimaanlagen zu privilegieren, gleichzeitig aber die rechtlichen Rahmenbedingungen für jene Maßnahmen unverändert zu lassen, die den Energieverbrauch dauerhaft senken und den CO₂-Ausstoß reduzieren. Wohnrecht muss Klimaschutz und Klimaanpassung gleichermaßen ermöglichen“, so Holzapfel.
Der ÖVI fordert daher eine umfassende Wohnrechtsreform mit Erleichterungen für thermische Sanierungen, den Umstieg auf fossilfreie Heizsysteme sowie Investitionsanreize für Dekarbonisierung und Energieeffizienz. „Hitzeschutz und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer den Einbau von Klimaanlagen erleichtert, muss erst recht dafür sorgen, dass Gebäude rascher saniert und Heizungen schneller auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden können. Alles andere wäre wohnrechtlich inkonsequent und klimapolitisch das falsche Signal“, sagte Holzapfel.






