Studie prognostiziert anhaltenden Wohnungsmangel bis mindestens 2028 und sinkendes Angebot an Mietwohnungen.
Der frei finanzierte Wohnungsmarkt in Wien steht laut einer aktuellen Analyse vor einer anhaltenden Unterversorgung. Ein Sonderbericht von Immo Analytics geht davon aus, dass die Zahl neu fertiggestellter Wohnungen auch in den kommenden Jahren deutlich unter dem Bedarf liegen wird. Als Ursachen werden Projektverzögerungen, schwierige Finanzierungsbedingungen und niedrige Baugenehmigungszahlen genannt.
Dem Bericht zufolge sollen im Jahr 2026 rund 5.700 frei finanzierte Wohnungen in Wien fertiggestellt werden. Der jährliche Bedarf liege hingegen bei etwa 10.000 bis 11.000 Wohnungen. Damit würde die Neubauleistung lediglich etwa die Hälfte des erforderlichen Volumens erreichen. Für das Jahr 2027 prognostiziert Immo Analytics eine weitere Verschärfung der Situation. Demnach könnte der Bedarf das Fertigstellungsvolumen um das 2,5-Fache übersteigen. Auch für 2028 sei aufgrund der aktuell niedrigen Zahl an Baugenehmigungen keine deutliche Entspannung zu erwarten.
Als wesentliche Ursachen für die Entwicklung nennt die Analyse anhaltende Verzögerungen bei Bauprojekten. Rund 40 Prozent aller Projekte würden gegenüber den ursprünglich kommunizierten Fertigstellungsterminen um mindestens drei Monate zurückliegen. Gründe seien insbesondere erschwerte Finanzierungsbedingungen sowie Herausforderungen bei der Vorverwertung neuer Projekte.

Besonders angespannt sei die Lage am Mietwohnungsmarkt. Laut Immo Analytics geht die Zahl jener Projekte zurück, die von institutionellen Investoren langfristig als Mietwohnungen gehalten werden sollen. Gleichzeitig lebt ein Großteil der Wiener Bevölkerung in Mietverhältnissen. „Die Zahlen zeigen klar, dass Wien auf eine strukturelle Wohnungsknappheit zusteuert“, so Gregor Pfeiffer, Geschäftsführer von Immo Analytics. „Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Mietwohnungen.“
Pfeiffer verweist auf mögliche langfristige Auswirkungen auf Preisniveau und Verfügbarkeit: „Wenn das Angebot weiterhin so stark zurückgeht, werden wir uns bei Mieten und Verfügbarkeit zunehmend an internationalen Metropolen orientieren müssen. Die Gefahr von Verhältnissen wie in London ist real.“ Bereits heute sei insbesondere im unteren Preissegment ein steigendes Mietniveau zu beobachten. Ob und in welchem Ausmaß sich die prognostizierte Entwicklung tatsächlich realisieren wird, hängt jedoch auch von künftigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Bautätigkeit sowie wohnungspolitischen Maßnahmen ab.






