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Immo-Branche schlägt Alarm: Jede vierte geplante Wohnung wird nicht gebaut

von Charles Steiner
9. Juni 2026
in Österreich, Verbände, Wohnen, Wohnprojekte
Der Wiener Wohnbau stockt. Im heurigen Jahr wird jede vierte geplante Wohnung nicht gebaut, so die Einschätzung der Wiener Fachgruppe der Immobilientreuhänder. Bild: pixabay.com

Der Wiener Wohnbau stockt. Im heurigen Jahr wird jede vierte geplante Wohnung nicht gebaut, so die Einschätzung der Wiener Fachgruppe der Immobilientreuhänder. Bild: pixabay.com

Neubaubericht Wien 2026 sieht sinkende Fertigstellungen, stagnierende Projekte und Reformbedarf bei Flächenwidmung und Bestandsentwicklung.

Die Wiener Wohnbauwirtschaft warnt vor einer weiteren Verschärfung der Wohnraumsituation. Laut dem erstmals gemeinsam von der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien und den Gemeinnützigen Bauvereinigungen Wien präsentierten „Neubaubericht Wien 2026“ wird rund jede vierte für heuer geplante Wohnung voraussichtlich nicht fertiggestellt. Die Branche fordert daher rasche politische und rechtliche Maßnahmen, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln.

Die Analyse des Marktforschungsunternehmens Exploreal zeigt, dass für das Jahr 2026 die Fertigstellung von rund 12.600 Wohneinheiten vorgesehen ist. Tatsächlich dürften jedoch nur etwa 9.400 Wohnungen realisiert werden. Damit würde ein Viertel der geplanten Projekte ausfallen. „Wenn wir den Ausbau und Aufbau in der gebauten Stadt, zusätzlich zum Neubau, nicht rasch wieder ermöglichen, wird aus geplanten Projekten kein realer Wohnraum – und das wird man in Wien noch heuer deutlich spüren“, so Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien.

Als Ursachen nennt die Branche die Auswirkungen mehrerer Krisenjahre, gestiegene Kosten sowie erschwerte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Laut Pisecky seien zahlreiche Bauprojekte ins Stocken geraten. „Es gibt zahlreiche Projekte, die aktuell nicht fertig gebaut werden. Nicht, weil sie nicht sinnvoll wären, sondern weil sie in der Krise der letzten drei Jahre ,gestrandet‘ sind. Hier brauche es dringend eine gemeinsame Taskforce, um diese Projekte wieder in Bewegung zu bringen, erklärte er. Zudem sei die Zahl der Bauträger in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Auch wirtschaftlich stabile Unternehmen gerieten zunehmend unter Druck.

Kritik übt die Immobilienwirtschaft insbesondere an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach Ansicht der Branche entsprechen zahlreiche Flächenwidmungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen einer wachsenden Stadt. „Die aktuelle Flächenwidmung stammt aus einer Zeit, in der Wien noch deutlich weniger Einwohner hatte. Sie passt nicht mehr zur Realität einer wachsenden Millionenstadt und muss dringend angepasst werden“, sagte Pisecky.

Auch das bestehende Abbruchverbot wird als Hemmnis für neue Wohnbauprojekte gesehen. „Das bestehende Abbruchverbot verhindert in vielen Fällen sinnvolle Weiterentwicklung. Wir brauchen mehr Flexibilität, um neuen und zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen“, so der Branchenvertreter. Neben dem klassischen Neubau gewinnt laut Bericht die Entwicklung bestehender Gebäude an Bedeutung. Durch Aus- und Aufbauten könnten zusätzliche Wohnungen geschaffen und gleichzeitig thermische Sanierungen sowie die Umstellung auf nicht-fossile Heiz- und Kühlsysteme erleichtert werden.

Der Neubaubericht zeigt zudem, dass sich das Wohnungsangebot weiterhin stark auf kleinere Einheiten konzentriert. Rund 55 Prozent der Neubauten sind Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen. Etwa ein Drittel entfällt auf Drei-Zimmer-Wohnungen, während lediglich 14 Prozent vier oder mehr Zimmer aufweisen. Die durchschnittliche Wohnnutzfläche beträgt 59 Quadratmeter. Freiflächen gehören mittlerweile nahezu zum Standard: 92 Prozent der geplanten Wohnungen verfügen über Balkon, Loggia, Terrasse oder Garten. Am häufigsten sind Balkone mit einem Anteil von 58 Prozent vertreten.

Regional konzentriert sich die Neubautätigkeit weiterhin auf die äußeren Wiener Bezirke. Besonders die Donaustadt bleibt ein Schwerpunkt des Wohnungsbaus. In innerstädtischen Lagen fällt das Angebot dagegen deutlich geringer aus. Gleichzeitig attestiert die Studie insgesamt eine rückläufige Dynamik bei neuen Wohnbauprojekten.

Der Bericht unterstreicht auch die Bedeutung beider Wohnbau-Säulen in Wien. Rund 70 Prozent der Neubauten werden von gewerblichen Bauträgern errichtet, 30 Prozent von gemeinnützigen Bauvereinigungen. „Die Studie zeigt, wie wichtig das Zusammenspiel von gewerblichen und gemeinnützigen Bauträgern für Wien ist. Leistbares Wohnen entsteht dort, wo stabile Rahmenbedingungen auf langfristig orientierte Investitionen treffen“, sagte Paul Steurer, Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen Wien.

Die Branchenvertreter sprechen sich unter anderem für die Gleichstellung von Generalsanierungen mit Neubauten, die erleichterte Entwicklung bestehender Gebäude, eine Aktualisierung der Flächenwidmungen sowie eine Überarbeitung des Abbruchverbots aus. Dadurch soll zusätzlicher Wohnraum geschaffen und die Bautätigkeit wieder belebt werden.

Tags: explorealFachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder WienWKOWKW
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