EHL Wohnen: Auslaufen der Gebührenbefreiung aus dem Wohn- und Baupaket beschleunigt Kaufentscheidungen am Immobilienmarkt.
Das bevorstehende Auslaufen des Wohn- und Baupakets der damaligen türkis-grünen Bundesregierung (sie endete im März des Vorjahres) sorgt laut EHL Wohnen derzeit für eine spürbare Belebung am Markt für Eigentumswohnungen. Das Unternehmen berichtete am Montag via Aussendung von einer steigenden Nachfrage und rascheren Kaufentscheidungen, da Käuferinnen und Käufer noch von den bis Ende Juni geltenden Gebührenbefreiungen profitieren wollen.
Das führe laut EHL Wohnen zu einem Vorzieheffekt: „Für Käufer, die noch bis zum 30. Juni 2026 eine Eigentumswohnung erwerben, bedeutet das eine Ersparnis von fast zwei Prozent des Kaufpreises“, so Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen. Bei einer in Wien typischen Zwei-Zimmer-Neubauwohnung um rund 300.000 Euro könne die Gebührenersparnis etwa 6.000 Euro betragen. Allein ausschlaggebend für eine Kaufentscheidung sei der Vorteil jedoch nicht, so Schunker. „Das ist selten der einzige Grund, um eine Wohnung zu kaufen, aber jedenfalls ein guter Anlass, einen ohnehin geplanten Erwerb jetzt und nicht erst einige Monate später durchzuführen.“
Das Immobilienberatungsunternehmen EHL erwartet daher für das zweite Quartal 2026 einen deutlichen Anstieg der Transaktionen im Eigentumssegment. „Wir rechnen in Wien mit rund zwölf Prozent mehr Verkäufen von Eigentumswohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum“, sagte Schunker. Ein Teil dieses Zuwachses dürfte allerdings auf vorgezogene Käufe zurückzuführen sein. „Es handelt sich größtenteils um Vorzieheffekte, die im dritten Quartal wieder abflachen werden.“ Neben dem auslaufenden Förderinstrument wirken laut Branchenbeobachtern weitere Faktoren auf den Markt. Während der Hochzinsphase zwischen 2022 und 2024 seien zahlreiche Kaufentscheidungen verschoben worden. Diese würden nun nachgeholt, da die Finanzierungskosten wieder gesunken seien.
Zudem zeichne sich ein rückläufiges Angebot an neuen Wohnungen ab. Gleichzeitig verschiebe sich die Nachfrage teilweise von Miet- zu Eigentumswohnungen. „Die Mieten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, was auch mit dem historisch niedrigen Angebot an verfügbaren Wohnungen zusammenhängt“, sagte Schunker. Insgesamt erwartet EHL für 2026 dennoch ein moderates Wachstum des Eigentumsmarktes. „Da das Interesse an Wohnungskäufen insgesamt gestiegen ist, gehen wir davon aus, dass heuer rund acht Prozent mehr Neubauwohnungen verkauft werden als im Vorjahr“, so Schunker.
Das Wohn- und Baupaket war 2024 von der damaligen türkis-grünen Bundesregierung beschlossen worden. Ziel war es, angesichts der hohen Baukosten und der anhaltenden Teuerung Impulse für den Wohnbau zu setzen und den Erwerb von Wohnraum zu erleichtern. Kernstück war unter anderem eine befristete Befreiung von der Grundbuch- sowie der Pfandrechtseintragungsgebühr für selbstgenutztes Wohneigentum bis zu einer Bemessungsgrundlage von 500.000 Euro.






