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Wiener Investmentmarkt büßt mehr als ein Drittel ein

von Charles Steiner
25. August 2026
in Gewerbe, Hotel, Logistik, Office, Österreich, Retail, Wohnen
Der Wiener Investmentmarkt hat im ersten Halbjahr stark nachgelassen. Zuwächse gab es lediglich beim Einzelhandel.  Foto: pixabay.com

Der Wiener Investmentmarkt hat im ersten Halbjahr stark nachgelassen. Zuwächse gab es lediglich beim Einzelhandel. Foto: pixabay.com

Otto Immobilien: Transaktionsvolumen sinkt im ersten Halbjahr 2026 um 34 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro – Handelsimmobilien legen gegen den Markttrend deutlich zu.

Der österreichische Immobilieninvestmentmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich an Volumen verloren. Nach dem aktuellen Investment Markt-Update von Otto Immobilien wurden in den ersten sechs Monaten Transaktionen im Umfang von rund 1,08 Milliarden Euro registriert. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 mit 1,65 Milliarden Euro entspricht das einem Rückgang um 34 Prozent. Die Entwicklung fiel zwischen den einzelnen Assetklassen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Während Wohnen, Büro sowie Industrie und Logistik deutliche Rückgänge verzeichneten, konnte sich der Handel gegen den allgemeinen Markttrend entwickeln. Das Transaktionsvolumen mit Handelsimmobilien stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum um 287 Prozent. Ausschlaggebend dafür war insbesondere eine Großtransaktion in Parndorf. Der Anteil des Handels am gesamten Investmentvolumen erhöhte sich dadurch von acht Prozent im Gesamtjahr 2025 auf rund 31 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Der Anteil von Wohnimmobilien sank hingegen von 33 auf rund 16 Prozent.

Bei Büroimmobilien wurden im ersten Halbjahr rund 211 Millionen Euro umgesetzt. Das waren 39 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2025, als das Volumen bei 344 Millionen Euro gelegen war. Der Anteil von Büroimmobilien am gesamten Transaktionsvolumen ging damit auf 20 Prozent zurück. Nach Angaben von Otto konzentriert sich die Nachfrage weiterhin auf Bestandsobjekte in zentralen und etablierten Lagen mit langfristig gesicherten Mieteinnahmen. Insbesondere ESG-konforme Core-Immobilien seien derzeit im Blickpunkt der Investoren.

„Der Fokus liegt weiterhin auf erstklassigen, ESG-konformen Core-Objekten in gut angebundenen, zentralen und etablierten Wiener Bürolagen“, sagt Anthony Crow, Abteilungsleiter Immobilienvermarktung Gewerbe bei Otto. Das Vermietungsgeschehen sei derzeit von Zurückhaltung und selektiver Nachfrage geprägt.

Noch stärker fiel der Rückgang bei Wohnimmobilien aus. Mit einem Transaktionsvolumen von rund 171 Millionen Euro lag das Ergebnis um 74 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2025, als 656 Millionen Euro umgesetzt worden waren. Ein großer Teil der Transaktionen entfiel auf stark vermietete Bestandsimmobilien in Wien und den Landeshauptstädten. Offene Immobilienfonds traten weiterhin als Verkäufer auf. Forward-Deals spielten laut Otto aufgrund der aktuellen Marktbedingungen keine wesentliche Rolle.

Die Nachfrage sei grundsätzlich vorhanden, werde aber durch das eingeschränkte Angebot begrenzt. „Die Nachfrage der Anleger nach modernen, hochwertigen und ESG-konformen Wohnobjekten ist nach wie vor gegeben, wird jedoch aktuell durch das geringe Angebot – sowohl an Bestands- als auch an neu fertiggestellten Objekten – ausgebremst“, sagt Georg Kretschmer, Teamleiter Investment bei Otto.

Auch bei Industrie- und Logistikimmobilien ging die Transaktionstätigkeit zurück. Das Volumen sank im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent auf rund 112 Millionen Euro. Der Anteil am Gesamtmarkt reduzierte sich von rund 14 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf zehn Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Segment noch rund 580 Millionen Euro erreicht und damit den zweithöchsten Wert der vergangenen fünf Jahre erzielt.

Investoren konzentrieren sich nach Einschätzung von Otto derzeit vor allem auf moderne und vollvermietete Core-Objekte in etablierten Logistikstandorten. Ältere Bestandsimmobilien geraten angesichts steigender Leerstände dagegen stärker unter Preisdruck. Eine Belebung des Transaktionsgeschehens erwartet das Unternehmen insbesondere dann, wenn neu errichtete Flächen vollständig vermietet werden.

Bei den Spitzenrenditen erwartet Otto für das Gesamtjahr 2026 unterschiedliche Entwicklungen nach Assetklassen. Für Büroimmobilien liegt die Prognose bei 4,75 Prozent, für Wohnimmobilien bei 4,00 Prozent und für Industrie- und Logistikimmobilien bei 5,20 Prozent. Philipp Maisel, Investment-Chef bei Otto Immobilien: „Während Core-Objekte im Büro- und Wohnbereich im Wesentlichen stabil sind, geraten Industrie/Logistik Projekte leicht unter Druck.

Eine deutliche Erholung im weiteren Jahresverlauf ist aus Sicht des Research-Teams allerdings noch nicht absehbar. Für die weitere Entwicklung bleibe das Marktumfeld entscheidend. Nach dem schwachen ersten Halbjahr lässt Otto offen, ob sich die Transaktionsdynamik in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder verstärken wird.

Tags: investmentOtto ImmobilienWien
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