Zwischenergebnisse einer WIFO-Studie beziffern den jährlichen Wohnkostenvorteil durch gemeinnützige Bauvereinigungen auf rund 2,5 Milliarden Euro. Neben niedrigeren Mieten errechnet die Untersuchung auch Effekte auf Kaufkraft, private Mietpreise und öffentliche Transferleistungen.
Der gemeinnützige Wohnbau hat laut ersten Ergebnissen einer laufenden Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) messbare Auswirkungen über den eigenen Wohnungsbestand hinaus. Unter Einbeziehung der preisdämpfenden Wirkung auf den privaten Mietmarkt errechnet die Untersuchung einen Wohnkostenvorteil von rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Das geht aus einer entsprechenden Aussendung des Österreichischen Verbands Gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) am Dienstag hervor.
Haushalte in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) zahlen demnach im Durchschnitt rund ein Viertel weniger als für vergleichbare private Mietwohnungen. Für einen GBV-Miethaushalt ergibt sich daraus aktuell eine durchschnittliche Entlastung von rund 228 Euro pro Monat. „Der finanzielle Vorteil des gemeinnützigen Wohnbaus hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt Studienleiter Michael Klien vom WIFO. Als wesentlichen Grund nennt er die unterschiedliche Mietentwicklung. Während private Mieten infolge der hohen Inflation und des veränderten Zinsumfelds deutlich gestiegen seien, hätten sich die Kostenmieten im gemeinnützigen Sektor moderater entwickelt.
Nach den Berechnungen beschränkt sich der Effekt nicht auf Bewohner gemeinnütziger Wohnungen. Steigt der Anteil von GBV-Wohnungen regional um zehn Prozentpunkte, liegen die privaten Mieten laut Studie im Durchschnitt um rund 0,30 Euro pro Quadratmeter niedriger. „Ohne die Präsenz gemeinnütziger Wohnungen wären die privaten Mieten demnach höher“, sagt Klien. Besonders ausgeprägt sei der Unterschied in angespannten Wohnungsmärkten. Für Tirol errechnet die Studie einen Mietvorteil von rund 5,0 Euro pro Quadratmeter, für Wien 4,7 Euro sowie für Salzburg und Vorarlberg jeweils rund 4,5 Euro.
Auch im Neubau fällt die Differenz laut WIFO vergleichsweise hoch aus. In Gebäuden ab Baujahr 2011 beträgt der errechnete Mietvorteil rund 4,5 Euro pro Quadratmeter. Verbandsobmann Michael Gehbauer sieht darin die Bedeutung des Kostenmietmodells bestätigt. „228 Euro weniger Wohnkosten im Monat sind für einen Haushalt eine spürbare Entlastung“, sagt Gehbauer. Gerade bei hohen Lebenshaltungskosten zeige sich der Unterschied zwischen kostenorientierten Entgelten und Marktmieten.
Die Untersuchung hat dabei auch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus analysiert. Dafür ist die tatsächliche Situation in Österreich mit unterschiedlichen Szenarien ohne GBV-Sektor verglichen worden. Je nach Abgrenzung errechnet das WIFO daraus einen positiven Effekt auf das österreichische Bruttoinlandsprodukt von bis zu rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Berücksichtigt werden dabei unmittelbare und indirekte Preiseffekte sowie zusätzliche Wohnbautätigkeit. Ein Teil der Wirkung entsteht laut Studie dadurch, dass niedrigere Wohnkosten die verfügbare Kaufkraft der Haushalte erhöhen.
„Wer jeden Monat weniger für seine Wohnung ausgeben muss, hat mehr finanziellen Spielraum für Lebensmittel, Energie, Mobilität oder die Familie“, sagt Isabella Stickler, Obmann-Stellvertreterin des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen. Ein überdurchschnittlicher Anteil des Mietvorteils komme Haushalten mit niedrigeren Einkommen zugute.
Auswirkungen sieht die Studie auch auf die öffentlichen Haushalte. Durch niedrigere Wohnkosten im gemeinnützigen Segment seien geringere Transferleistungen für Wohnbeihilfe und Sozialhilfe notwendig. Die jährliche Entlastung wird mit rund 280 Millionen Euro beziffert. Zum Vergleich: Die österreichweiten Ausgaben für Wohnbeihilfen liegen laut den Studienangaben derzeit bei rund 300 Millionen Euro. Ohne den gemeinnützigen Wohnbau wären entsprechend höhere Unterstützungsleistungen erforderlich.
Der Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen verweist in diesem Zusammenhang auf rund 173 gemeinnützige Wohnbauträger in Österreich. Diese stellen mehr als eine Million Wohnungen für über zwei Millionen Bewohner zur Verfügung. Die nun veröffentlichten Zahlen sind Zwischenergebnisse; die WIFO-Untersuchung zu den ökonomischen Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus läuft noch.






