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Advicum: Mietpreisdeckel geht zulasten von Wohnraum

von Onlineredaktion immobilien investment
29. April 2026
in Österreich, Recht & Steuern, Wohnen, Wohnprojekte
Aufgrund kontinuierlich sinkender Fertigstellungen an Neubauwohnungen bleibt der Wiener Wohnungsmarkt angespannt. Foto: pixabay.com

Aufgrund kontinuierlich sinkender Fertigstellungen an Neubauwohnungen bleibt der Wiener Wohnungsmarkt angespannt. Foto: pixabay.com

Berater warnen vor langfristigen Folgen regulatorischer Eingriffe auf Neubau und Investitionen.

Der österreichische Immobilienmarkt ist laut der Advicum Consulting durch neue regulatorische Maßnahmen erneut unter Druck geraten. Insbesondere der seit April 2026 geltende Mietpreisdeckel im privaten Wohnsegment könnte nach Einschätzung des Beratungsunternehmens kurzfristig entlastend wirken, langfristig jedoch das Wohnraumangebot verknappen. „Wir erleben gerade eine massive Verschiebung der Vorzeichen“, erklärte Matthias Ortner, Equity Partner und Immobilienexperte bei Advicum.

Mit der erstmaligen Ausweitung der Mietpreisbremse auf den bislang nicht regulierten Markt greife die Bundesregierung tief in bestehende Marktmechanismen ein. Ortner sieht in der Maßnahme ein strukturelles Spannungsfeld: „Kurzfristig hat die Deckelung mit Sicherheit einen positiven Effekt für viele Haushalte“, sagte er. Gleichzeitig warne er jedoch vor negativen Konsequenzen für Investitionen und Neubautätigkeit. „Ohne Geldgeber wird kein neuer Wohnraum geschaffen. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass Mieten langfristig weiter steigen oder schlichtweg kein neuer Wohnraum mehr zur Verfügung steht.“

Die Begrenzung von Mieterlösen reduziere die Attraktivität von Immobilienprojekten. Investoren reagierten darauf mit Zurückhaltung, wodurch geplante Bauvorhaben verschoben oder ganz eingestellt würden. In Kombination mit wachsender Nachfrage – insbesondere in urbanen Zentren – könne dies zu einer weiteren Verknappung des Angebots führen.

Trotz bestehendem Wohnungsmangel sei die aktuelle Bauleistung gering. Laut Advicum ist dies auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurückzuführen. Nach einer Phase intensiver Bautätigkeit vor dem Markteinbruch hätten steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und zunehmende Unsicherheiten die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert. „Da die Überhänge aus der Vergangenheit mittlerweile de facto aufgebraucht sind, liegt die Prognose für Fertigstellungen 2026 auf einem historischen Tiefstand“, so Ortner.

Zusätzlich belasten geopolitische Spannungen und unterbrochene Lieferketten die Bauwirtschaft. Steigende Energiepreise verstärkten die Inflationserwartungen und damit auch die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank. „Höhere Zinsen bedeuten direkt höhere Finanzierungskosten für Immobilienprojekte. Das ist der kritischste Hebel für den Neubau“, erklärte Ortner.

Zur Stabilisierung des Marktes fordert Advicum verstärkte staatliche Maßnahmen. Dazu zählen insbesondere erleichterte Finanzierungsbedingungen, gezielte Förderprogramme sowie eine Senkung der Transaktionsnebenkosten. Zudem spricht sich Ortner für strukturelle Reformen aus: „Es braucht jetzt mutige Anreize von staatlicher Seite, um den Wohnbau wieder attraktiv zu machen.“ Auch die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und der Abbau bürokratischer Hürden seien entscheidend. „Bürokratische Hürden müssen abgebaut werden, um schneller neuen Wohnraum realisieren zu können“, betonte er.

Tags: AdvicumMietpreisdeckel
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