Von digitalen Gebäudezwillingen über Künstliche Intelligenz bis zur Mitarbeiterbindung: Der 19. Internationale Facility Management Kongress an der TU Wien zeigte, wie intelligente Technologien und neue Arbeitsplatzkonzepte die Immobilienwirtschaft verändern.
Gebäude, die ihren Energieverbrauch vorhersagen, Arbeitswelten, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, und Künstliche Intelligenz, die Schäden frühzeitig erkennt: Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, nimmt zunehmend konkrete Formen an. Wie weit die Entwicklung bereits fortgeschritten ist, zeigte der 19. Internationale Facility Management Kongress am 5. und 6. November 2026 an der TU Wien. Unter dem Motto „Science meets Practice“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie Digitalisierung, intelligente Datennutzung und nachhaltiges Gebäudemanagement die Branche verändern.
Wenn Daten Gebäude intelligenter machen
Dass moderne Arbeitswelten weit mehr sind als attraktive Büroflächen, verdeutlichte Gerhard Hochreiter von der Sparkasse Oberösterreich. Er zeigte, wie die aktive Einbindung der Beschäftigten in die Gestaltung ihrer Arbeitsumgebung die Mitarbeiterbindung stärken und die Zusammenarbeit verbessern kann.
Wie groß das Potenzial intelligenter Datenverknüpfung ist, erläuterte Matthias Traub von Invenium Data Insights, einem Tochterunternehmen von A1. Aggregierte Mobilfunkdaten können gemeinsam mit Gebäude-, Energie-, Wetter- und Kalenderdaten die Grundlage für KI-gestützte digitale Gebäudezwillinge bilden. Damit lassen sich Gebäudenutzung und Energieverbrauch nicht nur analysieren, sondern auch simulieren und prognostizieren.
Ein eindrucksvolles Praxisbeispiel lieferten Aline vom Baumbach und Darko Srbu von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Sie präsentierten, wie sich rund 1.000 Gebäude mithilfe standardisierter Datenübertragung und einer zentralen Datenbank effizient für die Erfassung und Auswertung von Verbrauchsdaten ausstatten lassen.
Künstliche Intelligenz allein ist noch keine Lösung
Weitere Schwerpunkte des Kongresses waren die Integration von ESG-Kriterien in Unternehmensstrategien, wirtschaftliche Potenziale durch Energieeinsparungen sowie innovative KI-Anwendungen in der Stadtplanung, Gebäudeinstandhaltung und Schadenserkennung. Auch die Grenzen und Risiken eines unkontrollierten KI-Einsatzes wurden kritisch beleuchtet.
Die zentrale Erkenntnis: Nicht die Technologie allein entscheidet über den Erfolg, sondern die Qualität der Daten und deren intelligente Nutzung. Erst wenn aus Informationen konkrete Maßnahmen werden, entsteht ein messbarer Mehrwert für Unternehmen und Immobilien.
Warum der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wichtiger wird
Gerade angesichts steigender Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Digitalisierung gewinnen Fachkongresse wie dieser zunehmend an Bedeutung. Sie bringen Forschung und Praxis zusammen, ermöglichen den Austausch unterschiedlicher Perspektiven und zeigen, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Lösungen für den Immobilienalltag entstehen.
Für Ao. Univ.-Prof. Dr. Alexander Redlein von der TU Wien, der als Ansprechpartner des Kongresses fungiert, steht genau dieser Wissenstransfer im Mittelpunkt. Der Kongress verdeutlichte, dass intelligente Technologien nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn verlässliche Daten, fundiertes Fachwissen und praktische Umsetzung ineinandergreifen.
Das Fazit: Die Zukunft des Facility Managements wird digitaler, datengetriebener und effizienter. Doch bei aller Begeisterung für Künstliche Intelligenz bleibt eines entscheidend: Technologie muss den Menschen unterstützen und einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen schaffen.
Denn intelligente Gebäude entstehen nicht allein durch intelligente Systeme, sondern vor allem durch intelligente Entscheidungen.






