Kommentar des Chefredakteurs: Während die Hitzewelle Europa gnadenlos im Griff hat, stellt sich die Frage: Wie kühlen wir uns wieder ab? Weil: Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Möglichkeit, Gebäude zu kühlen, zu einem Bewertungsfaktor wird.
Haaß is. So richtig. Seit zwei Wochen ächzt Europa unter einer Hitzewelle, die mittlerweile gesundheitsgefährdende Ausmaße erreicht hat. Dabei haben wir noch nicht einmal August. Aber wenn es jetzt Ende Juni diese Dimension erreicht hat, können wir uns ausrechnen, welchen Sommer wir haben werden. Heiß, heiß, heiß, durchbrochen von Starkregen, Hagel und Gewittern.
Die Hitzewelle (und es wird heuer nicht die einzige sein) stellt nicht nur Gebäude auf die Probe, auch ganze Stadtentwicklungsgebiete. Schatten ist in diesen Zeiten ein gefragtes Gut. Die Fähigkeit eines Gebäudes, sommerlichen Wärmeschutz zu gewährleisten, entscheidet, ob man sich in einer Immobilie aufhalten will oder nicht. Für vulnerable Menschen ist das sogar mitunter überlebensnotwendig.
Besonders unangenehm ist, wenn Gebäude sich nicht nur aufwärmen, sondern in der Nacht auch nicht abkühlen. Oder wenn man über unbeschattete Plätze geht. Allein vor einer roten Ampel zu stehen ist anstrengend. Die Sakkos saugen sich mit dem Schweiß voll. In den öffentlichen Verkehrsmitteln geht die Luftfeuchtigkeit in Richtung tropischer Regenwald. Dass Deodorants gegen diese Hitze oft kapitulieren, liefert den olfaktorischen Rahmen.
Die Stadtentwicklung in den vergangenen Jahrzehnten hat, leider muss man das konstatieren, den Faktor Hitze offenbar nicht so dimensioniert, um solche Hitzewellen zu überstehen. Und nein: Sonnenschirme helfen nichts, unter denen steht die Luft.
Mittlerweile dürfte Hitzeresistenz von Gebäuden und Quartieren zu einem konkreten Bewertungsfaktor werden. Wenn sich Menschen in brütend heißen Immobilien oder baumbefreiten Plätzen nicht aufhalten wollen, oder besser, nicht können, dann ist das für solche Immobilien schlicht wertmindernd. Der Zweck eines Gebäudes ist Schutz. Kann es vor Hitze nicht mehr schützen, verliert es einen Teil seines Nutzens – und damit langfristig auch seines Wertes
Ein Rezept, das schnell zu lösen, gibt es nicht. Aber es muss schnell gehen. Weil in der Zeitreihe der letzten 20 Jahre wird es tendenziell heißer. Wie wir miterleben müssen, viel heißer. Und das viel länger. Und sie müssen auch Schutz bieten vor Stürmen, Starkregen, Hagel, allfälligen Hochwässern.
Klimaanlage auf Gebäude raufpappen? Wird nicht viel bringen, dann wird es draußen noch heißer. Bäume? Wären für viele Plätze und Straßen wünschenswert, aber es dauert, bis sie wachsen und auch die müssen der Hitze standhalten können. Und vor allem gepflanzt werden. Da wird es viel auf einmal brauchen, um Gebäude und Quartiere, ganze Städte hitzeresistent auszugestalten. Viel Zeit bleibt aber nicht.
Weil: Wir schwitzen alle im selben Boot.






