Garbe registriert wachsende Flächennachfrage asiatischer Unternehmen in Europa – E-Commerce, Batteriespeicher sowie Elektrofahrzeug- und Halbleiterindustrie treiben Entwicklung. Spitzenmieten weitgehend stabil, Renditen zuletzt leicht gestiegen.
Asiatische Unternehmen treten auf den europäischen Logistikimmobilienmärkten zunehmend als Flächennachfrager auf. Vor allem chinesische Unternehmen bauen ihre Logistikstrukturen in Europa aus. Das geht aus der aktuellen Pyramid Map von Garbe Industrial hervor, die Spitzenmieten und Nettoanfangsrenditen in 122 Logistikregionen in 25 europäischen Ländern untersucht.
„Chinesische Unternehmen werden in immer mehr europäischen Märkten zu einem eigenständigen Treiber der Flächennachfrage“, sagt Tobias Kassner, Head of Research und Mitglied der Geschäftsleitung bei Garbe Industrial. Hintergrund sei unter anderem ein Strukturwandel bei E-Commerce-Lieferketten. Statt Waren überwiegend per Luftfracht oder Direktversand nach Europa zu liefern, würden Unternehmen verstärkt eigene Warenbestände und Logistikstrukturen vor Ort aufbauen.
Die zusätzliche Nachfrage beschränke sich laut Garbe allerdings nicht auf den Onlinehandel. Je nach Region spielen auch Batteriespeicher sowie Produktions- und Lieferketten der Elektrofahrzeug- und Halbleiterindustrie eine Rolle. Die stärkere Präsenz in Europa soll dabei unter anderem Handels- und Zollrisiken reduzieren.

Die Entwicklung unterscheidet sich nach Ländern und Nutzungsarten. „Die Intensität und Ausprägung der Nachfrage chinesischer und anderer asiatischer Unternehmen unterscheiden sich von Markt zu Markt“, sagt Yingnan Yao, Head of Business Development Asia Desk bei Garbe Industrial. In Polen werde die Flächennachfrage derzeit stark vom E-Commerce getragen. Dabei würden asiatische Unternehmen eine relevante Rolle spielen.
Auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien zählen laut Garbe zu den Zielmärkten für entsprechende E-Commerce-Anfragen. Da für diese Unternehmen häufig die kurzfristige Verfügbarkeit von Flächen entscheidend ist, richtet sich die Nachfrage vielfach auf Bestandsimmobilien. Für die Distribution nach Deutschland und in andere europäische Märkte spielt insbesondere die Logistikachse von Rotterdam über Duisburg bis Nordrhein-Westfalen eine Rolle.
In den Niederlanden sorgen die Hafenstandorte zusätzlich für Nachfrage aus den Bereichen Lithium und Batteriespeicher. In Großbritannien treten neben Batteriespeichern auch Produktionsverlagerungen und der Aufbau lokaler Lieferketten als Faktoren auf. Eine marktweite Entwicklung lasse sich daraus laut Garbe bislang allerdings nicht ableiten.
Trotz der zusätzlichen Nachfrage steigen die Mieten nicht flächendeckend. Gleichzeitig habe sich die Leerstandsentwicklung stabilisiert. Nach einem Anstieg infolge gut gefüllter Entwicklungspipelines bei gleichzeitig zurückhaltender Anmietung sei der Leerstand mittlerweile in weiten Teilen Europas rückläufig. Garbe führt dies sowohl auf eine stärkere Vermietung von Bestandsflächen als auch auf weniger spekulative Neubauten zurück.
Im ersten Halbjahr 2026 blieben die Spitzenmieten in 79 der 122 untersuchten Regionen unverändert. In 29 Regionen wurden leichte Zuwächse registriert, in 14 Märkten gingen die Mieten zurück. Ende Juni lag die durchschnittliche Spitzenmiete bei 7,52 Euro pro Quadratmeter und Monat.
Bei den Nettoanfangsrenditen zeigte sich hingegen eine leichte Dekompression. In 62 Regionen stiegen die Renditen, in 51 blieben sie stabil und in neun gingen sie zurück. Im Durchschnitt erhöhten sich die Nettoanfangsrenditen im ersten Halbjahr um acht Basispunkte. Die durchschnittliche Spitzenrendite lag Ende Juni bei 5,6 Prozent.
„Die leichte Dekompression der Renditen reflektiert vor allem die gestiegene geopolitische und makroökonomische Unsicherheit – insbesondere infolge höherer Energiepreise und veränderter Zinserwartungen“, sagt Kassner. Daraus lasse sich nach seiner Einschätzung kein struktureller Rückgang der Nachfrage nach europäischen Logistikimmobilien ableiten.
Eine Kombination aus steigenden Mieten und sinkenden Renditen registriert Garbe derzeit insbesondere in Spanien und ausgewählten britischen Sekundärmärkten. In Barcelona erhöhten sich die Spitzenmieten im ersten Halbjahr um 0,20 Euro pro Quadratmeter und Monat, während die Nettoanfangsrendite um zehn Basispunkte zurückging. In Zaragoza betrug der Mietanstieg 0,10 Euro bei einer Renditekompression um 20 Basispunkte. Newcastle verzeichnete ein Mietwachstum von 0,20 Euro und eine Kompression um zehn Basispunkte.
Bei den Spitzenmieten bleiben München und Berlin City unter den führenden europäischen Märkten. Seit Ende 2025 stiegen diese laut Garbe um 6,9 beziehungsweise 3,3 Prozent. Die nach Einschätzung des Unternehmens derzeit günstigste Kombination aus Mietwachstum und Renditekompression hat sich gegenüber dem Vorjahr allerdings von den deutschen Topmärkten nach Spanien und in ausgewählte britische Sekundärmärkte verlagert.






