KI-Boom treibt Nachfrage nach Kapazitäten, Wien gewinnt als Standort zunehmend an Bedeutung, ist im Vergleich aber noch ein kleiner Markt.
Der europäische Markt für Rechenzentren wächst weiter kräftig. Laut einer aktuellen Studie des Immobiliendienstleisters CBRE stieg das Angebot in den vier größten europäischen Märkten London, Frankfurt, Paris und Amsterdam im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 18,9 Prozent. Treiber der Entwicklung sind insbesondere Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz sowie die steigende Nachfrage von Hyperscalern und Cloud-Anbietern.
Auch Wien gewinnt im europäischen Wettbewerb zunehmend an Bedeutung. Die installierte Rechenzentrumsleistung in der österreichischen Hauptstadt liegt laut CBRE derzeit bei rund 53 Megawatt und hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Bis Ende 2026 erwarten die Analysten einen weiteren Anstieg auf etwa 65 Megawatt. Darüber hinaus investieren internationale Technologiekonzerne verstärkt in Österreich. Microsoft eröffnete 2025 drei neue Rechenzentren im Großraum Wien, während Google derzeit ein Rechenzentrum in Kronstorf errichtet.
In den europäischen Kernmärkten verzeichnete Frankfurt mit 23 Prozent das stärkste Angebotswachstum, gefolgt von London mit 21 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch. Die Nettoabsorption – also die neu vermietete abzüglich der freigewordenen Kapazität – erreichte in Frankfurt 218 Megawatt und in London 208 Megawatt.
Insgesamt stieg die Nettoabsorption in den europäischen Kernmärkten um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 572 Megawatt. Trotz umfangreicher Neubauaktivitäten bleibt das Angebot knapp. Frankfurt weist mit fünf Prozent weiterhin die niedrigste Leerstandsquote auf. Auch die Mietpreise steigen aufgrund des anhaltenden Nachfrageüberhangs weiter an.
Zunehmend verlagert sich die Entwicklung in Regionen außerhalb der etablierten Rechenzentrumsstandorte. Gründe dafür sind insbesondere die Verfügbarkeit von Grundstücken und Stromkapazitäten. Dieser Trend zeigt sich laut CBRE sowohl in Frankfurt und Paris als auch in Amsterdam.
Auch neue Märkte gewinnen an Bedeutung. Besonders Lissabon wird von CBRE als wachsender Rechenzentrumsstandort eingestuft. Die Kapazität könnte dort bis 2030 von derzeit rund 50 auf bis zu 500 Megawatt steigen. „In ganz Europa beobachten wir einen Wandel bei der Standortwahl von Nutzern“, sagte Andrew Jay, Head of Data Centre Solutions Europe bei CBRE. „Der Zugang zu Strom, Skalierbarkeit und eine schnelle Umsetzung sind mittlerweile ebenso entscheidend wie die Konnektivität.“
Während London und Frankfurt ihre führende Rolle behaupten, gewinnen laut Jay neue Standorte zunehmend an Bedeutung. „Märkte wie Lissabon gewinnen zunehmend an Bedeutung, um die zukünftige Nachfrage – insbesondere für großskalige und KI-getriebene Anwendungen – zu decken“, so der Experte.





