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Starker Anstieg bei Firmeninsolvenzen

von Charles Steiner
5. August 2024
in Finanzierung, Gewerbe, Österreich, Wohnprojekte
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich steigt sprunghaft an. Die meisten Insolvenzen waren im Handel und Bau zu verzeichnen. Andere Wirtschaftszweige steigen aber an. Foto: pixabay.com

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich steigt sprunghaft an. Die meisten Insolvenzen waren im Handel und Bau zu verzeichnen. Andere Wirtschaftszweige steigen aber an. Foto: pixabay.com

Creditreform: Die meisten Insolvenzen waren in Handel und Bauwesen zu verzeichnen. Starker Anstieg in Industrie, Kredit- und Versicherungswesen und im Transport.

Was die Statistik zu Firmeninsolvenzen in Österreich betrifft, dürften sich offenbar bereits Folgeeffekte einstellen. Laut einer aktuellen Analyse der Creditreform ist die Zahl der Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gestiegen, die meisten Insolvenzen stellten sich im Handel (625) und Bauwesen (598) ein, gefolgt von unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Der Handel leidet unter rückläufigem Binnenkonsum, während der Bausektor bekanntlich mit hohen Kosten und Zinsen zu kämpfen hat.

Aber: Insolvenzen in der Industrie (+44,6 Prozent), im Kredit- und Versicherungswesen (+44,6 Prozent) und im Transportwesen (+44,4 Prozent) erfuhren dafür die stärksten prozentualen Zuwächse. Zwar bewertet die Creditreform vor allem die Industrie als insgesamt krisenresistenter als andere Sektoren, dennoch müsse sie ebenfalls mit Auftragsrückgängen, hohen Lohn- und Energiekosten, Fachkräftemangel und nicht zuletzt bürokratischen Hürden kämpfen. Im Transportwesen und Bau gebe es mit jeweils rund 25 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen die höchste relative Betroffenheit.

Insgesamt stieg die Gesamtzahl an Firmeninsolvenzen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 26,4 Prozent auf 3.363 Verfahren, während die eröffneten Verfahren sogar um 34,6 Prozent auf rund 2.100 anwuchsen. Abgewiesene Insolvenzen aufgrund mangelnden Vermögens erhöhten sich um 14,7 Prozent auf 1.264 Fälle. für das Gesamtjahr 2024 rechnet die Creditreform mit mehr als 7.200 Firmeninsolvenzen und damit einem neuen Rekord seit 15 Jahren. Laut Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer der Creditreform, würde das Thema Pandemie bei den Insolvenzen mittlerweile keine Rolle mehr spielen, wohl schlage aber die anhaltende Wirtschaftsflaute negativ zu Buche: „Die Auftragsbücher leeren sich zunehmend, die Kosten steigen aber weiter, dazu kommen bürokratische Hürden. Die Unternehmen kämpfen an zahlreichen Fronten und verlieren immer öfters diesen Kampf.“

Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2024. Illustration: Creditreform

Das drückt entsprechend auf die Stimmung, wie eine entsprechende Umfrage der Creditreform unter 1.400 österreichischen Unternehmen zeigt. Das Geschäftsklima ist demnach negativer als am Höhepunkt der Pandemie, geprägt von sinkenden Erträgen und Aufträgen sowie geringer Investitionsbereitschaft. Die Auftragserwartungen sind so pessimistisch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Insolvenzpassiva belaufen sich auf rund 11,2 Milliarden Euro und betreffen etwa 11.000 Arbeitsplätze. Im ersten Halbjahr waren vor allem Insolvenzen innerhalb der Signa-Gruppe, darunter auch Rene Benko als Einzelunternehmer, sowie bekannte Unternehmen wie Fisker GmbH, Windhager Zentralheizung Technik GmbH und Brucha GmbH prägend.

Laut Weinhofer schwappe seit Jahresbeginn eine Insolvenzwelle über Österreich: „Immer mehr Unternehmen verlieren den Kampf gegen die allgemeine Wirtschaftslage mit hohen Preisen und rückläufiger Nachfrage. Das sich in einer Rezession befindliche Deutschland als wichtigster Handelspartner reißt Österreich mit hinunter. Dazu kommen selbstverschuldete Probleme wie zu hohe Lohnabschlüsse, Inflation und ein Reformstau in zahlreichen Politikfeldern.“

Tags: CreditreformInsolvenzen
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