Eine Studie beauftragt von der Wirtschaftskammer Wien sieht bei den Wiener Betriebsflächen zunehmenden Handlungsbedarf. Die WKW fordert eine stärkere Sicherung von Gewerbestandorten, bessere Bedingungen für die Bestandserneuerung und beschleunigte Genehmigungsverfahren.
Die Wirtschaftskammer Wien (WKW) fordert bessere Rahmenbedingungen für Produktion, Gewerbe und Logistik in der Bundeshauptstadt. Ausgangspunkt ist die Studie „Zukunftsraum Produktion – Strategie für Gewerbestandorte in Wien“, die beim Symposium zur Zukunft produktiver Standorte am 29. September präsentiert wurde.
Die Untersuchung analysiert den künftigen Flächenbedarf des produktiven Sektors und leitet daraus Handlungsoptionen für Stadt, Wirtschaft und Immobilienwirtschaft ab. Sie kombiniert quantitative Marktdaten mit 47 Interviews mit insgesamt 57 Experten aus Immobilienwirtschaft, Projektentwicklung, Nutzerschaft und Interessenvertretungen. Die Studie wurde beim WKW-Symposium von Carmen Dilch vorgestellt.
Nach der Untersuchung verfügt Wien über rund 2.127 Hektar gewidmete Betriebsflächen, was etwa fünf Prozent des Stadtgebiets entspricht. Davon sind nur noch sechs Prozent unbebaut. Bei einer durchschnittlichen Neuverbauung von 14,5 Hektar pro Jahr wäre diese Reserve laut Studie rechnerisch in rund neun Jahren ausgeschöpft. Gleichzeitig werden rund zwei Drittel des Gebäudebestands den Klassen B und C zugeordnet und weisen damit einen hohen Erneuerungsbedarf auf.
„Wenn wir Arbeit, Innovation und Versorgung auch in Zukunft in der Stadt halten wollen, müssen wir Betriebsflächen konsequent sichern und ihre Weiterentwicklung erleichtern“, sagt WKW-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits. Produktive Nutzungen seien „keine Restgröße der Stadtentwicklung, sondern ein wesentlicher Teil ihrer wirtschaftlichen Stärke“.
Die Studie sieht die künftige Entwicklung zunehmend auf bestehenden Betriebsflächen. Die Bautätigkeit verlagere sich von bislang unbebauten Grundstücken hin zu Brown- und Greyfield-Standorten. Leistbare Flächen könnten demnach vor allem durch Nachverdichtung und Bestandserneuerung entstehen. Gleichzeitig erschwerten hohe Grundstücks-, Bau- und Finanzierungskosten neue Projekte.
Auch die Nachfrage verändert sich. Laut Studie konzentriert sie sich zunehmend auf kleinere, flexibel nutzbare Mieteinheiten unter 1.200 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche, während größere Produktions- und Logistikunternehmen teilweise ins Wiener Umland ausweichen. Freizeitnutzungen und Datencenter erhöhen demnach zusätzlich den Preisdruck auf Betriebsflächen.
Die WKW fordert daher einen dauerhaften Schutz gewidmeter Betriebszonen, bessere rechtliche und wirtschaftliche Voraussetzungen für Umbauten sowie raschere Verfahren. „Bei bestehenden Betriebsstandorten verhindern die heutigen Rahmenbedingungen zu oft notwendige Investitionen. Wien braucht praxistaugliche Regeln für Umbauten, verlässliche Verfahren und raschere Genehmigungen, damit Unternehmen ihre Standorte weiterentwickeln und zukunftsfit machen können“, sagt Kriz-Zwittkovits.
Die Studie schlägt unter anderem einen zentralen One-Stop-Shop für produktive Projekte vor, der Bau-, Betriebsanlagen- und Umweltverfahren koordiniert. Ergänzend wird eine Fast-Track-Schiene für Neubau- und Umbauvorhaben mit standardisierten Abläufen, kürzeren Entscheidungsfristen und digitalen Vorprüfungen empfohlen.
Die Bedeutung des produktiven Sektors zeigt sich laut Studie auch am Arbeitsmarkt. Rund 112.000 unselbstständig Beschäftigte waren im Jahresdurchschnitt 2023 in den Bereichen Sachgütererzeugung, Energie- und Wasserversorgung, Bau sowie Verkehr und Lagerei tätig. Das entsprach rund zwölf Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in Wien. fuerwien_zukunftsraumproduktion…
Aus Sicht der WKW sollen daher Flächensicherung, Infrastruktur und Genehmigungsverfahren stärker auf die Anforderungen produktiver Nutzungen ausgerichtet werden. „Moderne Gewerbe- und Produktionsstandorte können klimafit, effizient und stadtverträglich sein – aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Kriz-Zwittkovits. Die Studie sieht dabei vor allem in Nachverdichtung, funktionaler Erneuerung und einem systematischen Flächenmanagement Ansatzpunkte, um die bestehenden Gewerbestandorte langfristig zu sichern.






