Steigende langfristige Zinsen setzen Preise am Immobilienmarkt erneut unter Druck. EHL sieht auf der Expo Real eine stärkere Differenzierung zwischen Assetklassen und Objektqualitäten – während Wohnen, Rechenzentren und hochwertige Büroflächen vergleichsweise gefragt bleiben.
Die erneute Straffung der Geldpolitik und höhere langfristige Zinsen prägen nach Einschätzung von EHL Immobilien die Stimmung auf der Expo Real 2026. Trotz verbesserter Konjunkturaussichten in mehreren europäischen Volkswirtschaften agieren Investoren weiterhin selektiv und reagieren auf das veränderte Finanzierungsumfeld mit höheren Renditeanforderungen und angepassten Preisvorstellungen.
„Heuer ist die Stimmung auf der Messe eindeutig geprägt durch die begonnene Straffung der Zinspolitik der EZB und vor allem den über den Sommer mit ca. 60 Basispunkten massiven Anstieg des langfristigen Zinsniveaus“, sagt Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe. Die schwierigeren Rahmenbedingungen dürften aus seiner Sicht noch länger anhalten. Gleichzeitig sieht Ehlmaier in den nach oben revidierten Konjunkturprognosen mittelfristig Aufholpotenzial.
Auch am Investmentmarkt zeigt sich die veränderte Finanzierungslage. „Über den Sommer sind die Preise unter Druck geraten. Der Markt reagiert auf den Zinsanstieg mit einer Anpassung des Preisniveaus“, sagt Franz Pöltl, geschäftsführender Gesellschafter von EHL Investment Consulting. Wie stark und wie lange diese Entwicklung anhält, hänge wesentlich von der weiteren Entwicklung der geopolitischen Konflikte, Energiepreise und Zinsen ab.
Die Nachfrage unterscheidet sich dabei deutlich nach Segmenten. Bei Büroimmobilien bleibt sie laut EHL verhalten, während Fachmarktzentren und High-Street-Objekte in guten Lagen weiterhin gehandelt werden. Das größte Interesse internationaler Investoren registriert EHL derzeit bei Wohnimmobilien, wobei die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern vielfach noch auseinanderliegen.
Außereuropäische Investoren suchen demnach vor allem opportunistische Investments. Zunehmende Aufmerksamkeit erhält zudem der Markt für Rechenzentren. Pöltl verweist auf mehrere derzeit in Österreich geplante Projekte und die steigende Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur für Anwendungen künstlicher Intelligenz.
Am europäischen Büromarkt bleibt die Vermietungsleistung unter Druck. Vor allem großflächige Abschlüsse sind seltener geworden. Gleichzeitig bleibt hochwertige Fläche in zentralen Lagen knapp, während ältere Bestandsobjekte mit steigenden Anforderungen an Lage, Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität konfrontiert sind.
„Der Trend zu mehr Qualität hält – offenbar weitgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung – unverändert an“, sagt Stefan Wernhart, Geschäftsführer von EHL Gewerbeimmobilien. Unternehmen würden teilweise ihre Gesamtfläche reduzieren, seien für moderne, gut angebundene und ESG-konforme Büros jedoch bereit, höhere Quadratmetermieten zu bezahlen.
Auch im Einzelhandel beobachtet EHL eine Verschiebung. Nach Jahren, in denen vor allem Diskonter und Luxusmarken expandierten, steigt laut dem Unternehmen die Nachfrage aus dem mittleren Preissegment wieder. „Ein Comeback der guten Mitte“, nennt EHL-Retailspezialist Mario Schwaiger diese Entwicklung. Im Luxussegment zeige sich dagegen eine gewisse Sättigung, während bei Diskontern nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre teilweise eine Bereinigung der Filialnetze einsetze. Besonders für die Wiener Mariahilfer Straße gebe es wieder verstärkt Anfragen aus dem mittleren Preissegment.
Am Wohnungsmarkt wirkt sich die geringe Neubautätigkeit zunehmend auf den Bestand aus. In zahlreichen europäischen Märkten und auch in Österreich weichen Wohnungssuchende mangels Neubauangebot verstärkt auf ältere Objekte aus. Dadurch verringert sich laut EHL insbesondere am Mietmarkt der Preisabstand zwischen Neubau und Bestand.
„Aufgrund des knappen Angebots sind Wohnungssuchende zunehmend bereit, auch bei älteren Objekten höhere Mieten zu akzeptieren, sofern Lage, Grundriss und Ausstattungsqualität überzeugen“, sagt Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen. Beim Wohnungseigentum blieben technische und energetische Qualität allerdings wichtige Faktoren für die Preisbildun






