Die Zahlen sagen Krise. Die Messehallen sagen: Geschäft. Die EXPO REAL 2026 ist gestartet – mit großem Andrang und einer bemerkenswerten Diskrepanz zwischen Statistik und Stimmung. Die Immobilienbranche hat schwierige Jahre hinter sich. Doch am ersten Messetag in München ist von Schockstarre wenig zu spüren. Und Österreich zeigt starke Präsenz.
Die Ausgangslage klingt zunächst wenig berauschend. Nur 23 Prozent der im Vorfeld der EXPO REAL befragten Branchenvertreter blicken optimistisch in die Zukunft. Hohe Finanzierungskosten, eine schwache Konjunktur, selektive Banken und vorsichtige Investoren belasten den Markt weiterhin.
Wer am ersten Messetag durch die Hallen in München geht, erlebt allerdings eine Branche, die sich mit diesen Rahmenbedingungen zunehmend arrangiert hat. Die Gespräche sind nüchterner geworden, die Kalkulationen härter und das Kapital selektiver. Aber es wird wieder gesprochen, gerechnet und verhandelt. Die Branche wartet nicht länger darauf, dass die alten Zeiten zurückkehren. Sie sucht nach Geschäften, die unter den neuen Bedingungen funktionieren.
Kapital ist da – aber anspruchsvoller
„Cash is King“ bleibt eines der bestimmenden Prinzipien. Wer über Eigenkapital verfügt, findet derzeit Chancen, die es in den Jahren des billigen Geldes kaum gab. Das bedeutet allerdings nicht, dass wieder alles gekauft wird. Im Gegenteil: Immobilien müssen sich ihren Platz in den Portfolios heute stärker verdienen. Nachhaltiger Cashflow, Qualität, Lage und Zukunftsfähigkeit zählen mehr denn je.
Auch bei den Assetklassen verschieben sich die Gewichte. Wohnen bleibt stark, gleichzeitig rücken Datacenter, Logistik, Hospitality sowie Energie- und Infrastrukturprojekte zunehmend in den Fokus. Vor allem Energie wird zum entscheidenden Standortfaktor. Wo früher Lage, Grundstückspreis und Verkehrsanbindung dominierten, geht es heute immer öfter auch um verfügbare Netzkapazitäten, Stromversorgung und digitale Infrastruktur. Der Boom rund um KI und Rechenzentren verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Die klassische Immobilie wird damit zunehmend Teil einer größeren Rechnung aus Kapital, Energie, Daten und Infrastruktur.
Wohnen bleibt die große Herausforderung
Gleichzeitig bleibt eines der klassischen Immobilienthemen allgegenwärtig: Wohnen. Der Bedarf ist hoch, gebaut wird vielerorts zu wenig. Hohe Bau- und Finanzierungskosten treffen auf regulatorische Vorgaben, langwierige Verfahren und die Forderung nach leistbarem Wohnraum. Auch hier scheint sich die Diskussion allerdings zu verändern. Statt immer neuer Fördermodelle rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie Bauen wieder einfacher, schneller und wirtschaftlicher werden kann. Denn Milliarden allein schaffen noch keine Wohnungen, wenn Projekte an Kosten, Vorschriften oder jahrelangen Genehmigungsverfahren scheitern.
Österreich mittendrin
Knapp 60 österreichische Unternehmen sind heuer als Aussteller auf der EXPO REAL vertreten. Die heimische Immobilienwirtschaft zeigt damit auch 2026 eine starke Präsenz in München. Ein wichtiger Treffpunkt ist erneut der Stand „Europa Mitte – Europe´s Heart“, einer der größten österreichischen Hubs auf der Messe. Herausgeberin Elisabeth della Lucia und ihr Team konnten bereits am ersten Messetag zahlreiche Gäste begrüßen – darunter Vertreter des Österreichischen Städtebundes und bekannte Gesichter der Immobilienwirtschaft wie Peter Engert. Gemeinsam mit LEADERSNET entstanden bereits erste Interviews direkt von der Messe. Ein besonderer Dank gilt dabei auch Fritz Csörgits und seinem Team.
„Die Gespräche sind nüchterner geworden, aber gleichzeitig wieder sehr konkret. Es geht nicht darum, auf die alten Zeiten zu warten, sondern unter den neuen Voraussetzungen wieder Geschäft zu machen. Genau dafür ist die EXPO REAL so wichtig: Menschen zusammenzubringen und aus Gesprächen neue Projekte entstehen zu lassen“, sagt Elisabeth della Lucia.
Die Schockstarre ist vorbei
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des ersten Messetages. Die Jahre des billigen Geldes sind vorbei. Bewertungen wurden korrigiert, Geschäftsmodelle neu gerechnet und Erwartungen angepasst. Niemand weiß, ob das Transaktionsvolumen schnell wieder die Dimension früherer Jahre erreichen wird. Aber die Branche scheint aufgehört zu haben, darauf zu warten. Käufer und Verkäufer finden wieder zueinander, wenn Preis, Finanzierung und Qualität stimmen. Kapital ist vorhanden – nur ist es anspruchsvoller geworden. Und neben die klassischen Immobilien treten neue Wachstumsfelder von Energie und Infrastruktur über Datacenter bis zu KI.
Das Fazit nach Tag eins: Die große Euphorie ist nicht zurück. Dafür etwas, das für den Immobilienmarkt möglicherweise wichtiger ist: Realismus, Investitionsbereitschaft und wieder Lust auf Geschäft. Die Statistik sagt Krise. München sagt: Es geht wieder etwas.
Und Österreich? Ist mittendrin.






