Eine neue iföw-Studie beziffert die direkte und indirekte Wertschöpfungswirkung der österreichischen Bauwirtschaft auf 84,8 Milliarden Euro. Rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze stehen demnach unmittelbar oder mittelbar mit dem Sektor in Verbindung.
Nahezu jeder fünfte in Österreich erwirtschaftete Euro steht unmittelbar oder mittelbar mit der Bauwirtschaft in Verbindung, dennoch werde die Bau- und Immobilienwirtschaft in Österreich unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw), die am Dienstag von der Initiative Pro Bauen & Sanieren im Wiener Palais Auersperg präsentiert wurde. Grundlage sind Daten aus dem Jahr 2023. Die Initiative besteht aus der Wiener Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie und des Verbands der Baustoffhändler Österreichs.
Die Studie fasst neben Hoch-, Tiefbau und Baunebengewerbe auch baurelevante Bereiche wie Baustoffproduktion, Maschinen, Handel, Architektur und weitere Dienstleistungen zusammen. Dafür wurde erstmals ein sogenanntes Satellitenkonto für die österreichische Bauwirtschaft erstellt. Direkt errechnet das iföw eine Wertschöpfung von 52,1 Milliarden Euro, unter Berücksichtigung vor- und nachgelagerter Effekte steigt sie auf 84,8 Milliarden Euro beziehungsweise 19,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.
„Die Bauwirtschaft generiert beeindruckende zwölf Prozent der Wertschöpfung in Österreich, unter Einbeziehung mittelbarer Effekte sind es sogar rund 20 Prozent“, sagte Studienautorin Anna Kleissner. Aus ihrer Sicht werde die volkswirtschaftliche Bedeutung des Sektors in der üblichen Branchenstatistik damit unterschätzt.
Auch bei der Beschäftigung weist die Studie einen hohen Anteil aus. Rund 624.000 Personen arbeiteten 2023 unmittelbar in baurelevanten Wirtschaftsbereichen. Einschließlich indirekter und induzierter Effekte stehen knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze beziehungsweise 22,8 Prozent aller Erwerbstätigen mit der Bauwirtschaft in Verbindung. Die fiskalischen Effekte werden mit 27,3 Milliarden Euro beziffert.
Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien, verwies insbesondere auf den rückläufigen Wohnbau. Von 12.600 für 2026 geplanten Wiener Wohneinheiten würden laut Prognose nur 9.600 fertiggestellt, nach seiner eigenen Einschätzung höchstens 8.000. „Nur verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, ausreichende Finanzierungen mit erfüllbaren Konditionen und Planungssicherheit können das bestehende Ungleichgewicht beheben“, sagte Pisecky.
Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie, sieht zusätzliches Potenzial in der Sanierung des Gebäudebestands. „Was wir unbedingt benötigen, ist ein Regulierungs- und Fördersystem, das planbar, finanzierbar, sozial umsetzbar und rechtlich praktikabel ist“, sagte Bursik. Die Studie berechnet für eine Verdoppelung der Sanierungsrate von 1,5 auf drei Prozent bis 2040 eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von rund 124 Milliarden Euro über den gesamten Zeitraum.
Andreas Fetter, Vizepräsident des Verbands der Baustoffhändler Österreichs, hob die kleinteilige Struktur des Sektors hervor. „Kleine und mittelständische Betriebe bilden das Rückgrat der Bauwirtschaft“, sagte Fetter. Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeite in Unternehmen mit weniger als zehn Personen.





