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Wiener Industrie klagt über Flächenmangel

von Charles Steiner
13. August 2026
in Gewerbe, Logistik, Office, Österreich
Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien. Foto: WK Wien / Florian Wieser

Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien. Foto: WK Wien / Florian Wieser

Spartenobmann WKW: Nur noch sechs Prozent der gewidmeten Wiener Betriebszonen sind unbebaut. Die Wirtschaftskammer fordert schnellere Genehmigungsverfahren und bessere Rahmenbedingungen für die Modernisierung bestehender Produktionsstandorte.

Die Flächenknappheit stellt die Wiener Industrie zunehmend vor Herausforderungen. Für Neubau fehlt der Platz, auch Betriebserweiterungen würden an ihre Grenzen stoßen. Die Sparte Industrie in der Wiener Wirtschaftskammer fordert daher eine zentrale Anlaufstelle für Produktionsprojekte. Ein sogenannter One-Stop-Shop soll Betriebsanlagen-, Bau- und Umweltverfahren bündeln. Zusätzlich schlägt die Wirtschaftskammer eine beschleunigte Verfahrensschiene für industrielle Neubau- und Umbauprojekte vor.

In der Bundeshauptstadt stehen nach Angabe der WKW derzeit rund 2.127 Hektar gewidmete Betriebsflächen zur Verfügung, was etwa fünf Prozent der gesamten Stadtfläche entspricht. Davon seien allerdings nur noch sechs Prozent unbebaut. Gleichzeitig wiesen rund zwei Drittel der bestehenden Betriebsflächen einen hohen Erneuerungsbedarf auf.

Damit rückt neben der Sicherung bestehender Betriebsflächen vor allem deren Modernisierung und Nachverdichtung in den Vordergrund. Die Wirtschaftskammer sieht dabei allerdings rechtliche und administrative Hürden. „Wer heute einen bestehenden Standort modernisieren oder erweitern will, stößt oft auf Regeln, Verfahren und Kostenstrukturen, die eher auf Neubau als auf Umbau ausgerichtet sind“, sagt Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien. Es brauche im Bestand mehr Flexibilität, schnellere Verfahren und rechtliche Klarheit.

Nach Einschätzung der Interessenvertretung ließen sich viele bestehende Betriebsimmobilien nur mit erheblichem Aufwand an aktuelle Anforderungen hinsichtlich Produktion, Technik, Energieversorgung oder Logistik anpassen. Gleichzeitig würden hohe Grundstücks-, Bau- und Finanzierungskosten sowie komplexe Genehmigungsverfahren Investitionen erschweren.

Potenzial sieht die Industrie auch in einer stärkeren Verdichtung bestehender Standorte und mehrgeschoßigen Produktionsgebäuden. Die Umsetzung sei allerdings mit entsprechenden Anforderungen verbunden. „Mehrgeschoßige und vertikale Produktionslösungen sind in einer wachsenden Stadt sicher ein Teil der Antwort. Aber man darf nicht so tun, als wäre das einfach“, sagt Ehrlich-Adám. Solche Projekte seien komplex und kostenintensiv und würden voraussetzen, dass Widmung, Infrastruktur, Betriebsanlagenrecht und Bauvorschriften aufeinander abgestimmt sind.

Neben der Sicherung gewidmeter Flächen fordert die Wirtschaftskammer daher Änderungen bei der Weiterentwicklung bestehender Betriebsimmobilien. Dazu zählen praxistauglichere Vorgaben für Umbauten und Adaptierungen sowie eine stärkere rechtliche Unterscheidung zwischen Bestandserneuerungen und Neubauten. Angesichts der begrenzten Flächenreserven sieht die Interessenvertretung vor allem in Nachverdichtung und Modernisierung Möglichkeiten, zusätzliche beziehungsweise zeitgemäße Produktionsflächen zu schaffen.

Nach Angaben der Wirtschaftskammer sichert der produktive Sektor in Wien rund 112.000 Arbeitsplätze und damit etwa zwölf Prozent der unselbstständig Beschäftigten. Gleichzeitig verweist die Sparte Industrie auf veränderte Produktionsstrukturen in der Stadt. Viele Unternehmen seien heute unter anderem in den Bereichen Pharma, Lebensmittelproduktion und Elektronik tätig.

Ehrlich-Adám spricht sich vor diesem Hintergrund auch für eine stärkere Nutzungsmischung aus. „Bei unseren Betrieben handelt es sich größtenteils um hochmoderne und vor allem saubere Betriebe“, sagt er. Daher sei auch eine stärkere Durchmischung von Wohngebieten und Standorten produktiver Unternehmen anzustreben. Ziel müsse es sein, Produktionsstandorte und Arbeitsplätze trotz des zunehmenden Flächendrucks langfristig in Wien zu halten.

Tags: IndustrieInfrastrukturSparte Industrie in der Wiener WirtschaftskammerWien
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