OeNB-Umfrage zeigt steigende Nachfrage nach Immobilienkrediten – Zinssenkungen beleben Finanzierung von Wohn- und Gewerbeimmobilien.
Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen in Österreich gewinnt spürbar an Dynamik, wenngleich man von den Höchstwerten 2022 nach wie vor entfernt ist. Laut der aktuellen Umfrage der Oesterreichische Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft ist die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten seit zwei Jahren im Steigen begriffen, während auch Unternehmen seit dem zweiten Halbjahr 2025 wieder vermehrt Kredite nachfragen. Grundlage der Angaben ist eine Aussendung der OeNB zur euroraumweiten Bank Lending Survey für das vierte Quartal 2025.
Besonders im Bereich der Wohnimmobilienfinanzierung zeie sich eine deutliche Belebung. Haupttreiber sind gesunkene Zinsen infolge der geldpolitischen Lockerung durch die Europäische Zentralbank. Diese senkte ihren Leitzins zwischen Juni 2024 und Juni 2025 schrittweise von vier Prozent auf zwei Prozent. Kredite seien dadurch wieder leistbarer geworden, so die OeNB. „Die anhaltend steigende Nachfrage nach Wohnbaukrediten zeigt, dass die geldpolitischen Impulse wirken“, erklärte OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Die Entwicklung sei ein Hinweis darauf, „dass Finanzierungen wieder leistbarer geworden sind und die wirtschaftliche Erholung in Österreich schrittweise an Breite gewinnt“.
Konkret wurden laut OeNB-Kreditstatistik von Jänner bis November 2025 durchschnittlich 1,4 Milliarden Euro pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben. Das entspricht einem Anstieg von nahezu 50 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2024. Für das erste Quartal 2026 erwarten die befragten Banken eine weitere Zunahme der Nachfrage. An das Niveau der Niedrigzinsjahre bis 2022 werde man jedoch vorerst nicht herankommen, so die OeNB. Auch bei Unternehmenskrediten ist erstmals seit drei Jahren eine Trendwende erkennbar. Nach einem lang anhaltenden Rückgang steigt die Kreditnachfrage seit dem dritten Quartal 2025 wieder. Neben gesunkenen Zinsen spielen ein höherer Bedarf an Betriebsmittelfinanzierungen sowie erste Anzeichen einer wieder anziehenden Investitionstätigkeit eine Rolle. Allerdings bleiben Banken bei der Kreditvergabe vorsichtig – insbesondere im Immobiliensektor.
Die Kreditvergabestandards seien in den vergangenen Jahren deutlich verschärft worden, betont die OeNB. Das betreffe Immobilienunternehmen in besonderem Maß, wobei Gewerbeimmobilien stärker unter restriktiven Finanzierungskonditionen leiden als Wohnimmobilien. Hintergrund seien die weiterhin erhöhte Risikoeinschätzung der Banken sowie die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage. „Entscheidend wird sein, ob die steigende Kreditnachfrage auch tatsächlich in einer höheren Neukreditvergabe mündet“, so Kocher. Dies werde sich erst in den kommenden Monaten in der Monetärstatistik zeigen. Insgesamt signalisiere die Entwicklung jedoch eine vorsichtige Normalisierung der Immobilienfinanzierung – getragen von sinkenden Zinsen, aber weiterhin begrenzt durch strenge Kreditstandards.






