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Was scheren uns Bilanzen – lasst uns tanzen!

von Dietmar Patjens
4. Oktober 2024
in Gewerbe, immobilien investment, International, News, Österreich, Recht & Steuern
Dietmar Patjens bringt über 35 Jahre Erfahrung im Immobiliensektor mit, von Entwicklung, Transaktion und Asset Management bis zu Führung und Beratung. Er weist einen Hintergrund bei Big-4-Firmen auf und eine international geprägte Karriere als Interim Manager und Berater im Immobilienbereich. Seine Expertise umfasst auch Restrukturierung sowie GRC Governance, Risk, Compliance and Fraud. Patjens ist Chartered Surveyor seit 1996,

Dietmar Patjens bringt über 35 Jahre Erfahrung im Immobiliensektor mit, von Entwicklung, Transaktion und Asset Management bis zu Führung und Beratung. Er weist einen Hintergrund bei Big-4-Firmen auf und eine international geprägte Karriere als Interim Manager und Berater im Immobilienbereich. Seine Expertise umfasst auch Restrukturierung sowie GRC Governance, Risk, Compliance and Fraud. Patjens ist Chartered Surveyor seit 1996,

Eine Zeile aus „Ein Tag wie Gold“, einem Lied aus der dritten Staffel von Babylon Berlin, gesungen von der großartigen Meret Becker. Unwillkürlich musste ich an die Krise der Projektentwickler und der mit diesen verbundenen Finanzierer denken … Ein Gastbeitrag von Dietmar Patjens, Experte für Risk Management und Fraud Control.

Fremd- wie auch Eigenkapitalgeber sind während der zinsgünstigen Periode wieder alten Mustern erlegen: Sie teilten den von den Projektentwicklern vorgetragenen Glauben an unendliches Wachstum. Darüber hinaus sind sie – ebenfalls wieder – der Faszination scheinbar unendlich erfolgreicher Persönlichkeiten erlegen; ich hätte nicht geglaubt, dass sich die 1990er Jahre mit Dr. Jürgen Schneider so leicht wiederholen lassen. Red Flag #1: Schwimmen wir im Trend oder denken wir noch selbst?

Es gibt aber weitere Aspekte, die zu leichtfertigen Kreditvergaben geführt haben. Gemeint ist hiermit, dass es strukturelle Versäumnisse bei der Kreditprüfung gibt und ein kritisches, externes Projektmonitoring in den wenigsten Fällen stattfindet. Lassen Sie mich hierauf näher eingehen.

Die Verteilung von Finanzierungen auf eine Vielzahl von Kreditinstituten basiert auf dem „Teile-und-herrsche“-Prinzip. Es sind für die Institute kaum alle Informationen so zusammenzuführen, dass sich ein Gesamtüberblick über das den Kreditnehmer beherrschende Unternehmen gibt. Der Versuch, die rund 1.000 Gesellschaften der Signa-Gruppe auf Zusammenhänge, wie z. B. Intercompany-Darlehen, Gewinnübernahmeverträge, stille Beteiligte und eine Art „Konzern-Jahresabschluss“ zu prüfen, war unmöglich. Red Flag #2: Was ich nicht vollständig durchblicke und verstehe, fasse ich nicht an. (Und hier fallen mir z. B. auch die Investments einiger Kassenärztlicher Vereinigungen ein …)

Verständlich, wenn man die personelle Ausstattung im Backoffice vieler Institute sieht. Aber nicht nur bei der Signa fand eine doppelte Granulierung statt: Unverhältnismäßig viele Gesellschaften sorgen für systemische Unübersichtlichkeit und eine Vielzahl von Fremdkapitalgebern hat jeweils nur einen minimalen Einblick. Reicht doch, wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt am Ende einen Riesengewinn ergibt … Das ist doch ein Erfolgstyp! Red Flag #3: Wir haben Grundvertrauen in den Kreditnehmer! Die Komplexität ist doch ein schlaues Konstrukt!

In der zweiten Ebene stellt sich die Frage, inwieweit die Kreditprüfungs- und Ratingsysteme der Institute auf die Komplexität von größeren Projektentwicklungen eingestellt sind. Der Umfang der Standardisierung im Kreditgeschäft ist beträchtlich und lässt nur sehr begrenzten Raum für Individualität. Das Anstellen eigener Risikobetrachtungen erfolgt natürlich nach einem festgelegten Raster und eine von renommierter Stelle ausgearbeitete Bewertung ist eine optimale Exkulpation, nicht selbst kritisch prüfen zu müssen – könnte sonst Stress mit der Marktseite und der Eitelkeit des Vorstands geben: Man möchte auf der MIPIM doch wieder auf das richtige Schiff eingeladen werden. Red Flag #4: Findet wirklich eine KreditPRÜFUNG (kritisch!) statt oder werden nur Begründungen für möglichst weite Kreditrahmen gesucht?

Ketzerische Frage: Ist die „Final Source of Money“ des Eigenkapitals tatsächlich bekannt? Hinter vielen netten Lux-Fonds verbergen sich unvermutete Strukturen.

Zwei Aspekte für die „Fails“ erscheinen mir wesentlich:

  • Ganz offensichtlich fand in sehr vielen, sehr großvolumigen Finanzierungen kein oder nur ein extrem schwaches Kreditmonitoring statt. Wie konnte es dazu kommen, dass immense Beträge für Nachträge etc. finanziert werden müssen, ohne dass es vorher bemerkt wurde? Wurden die Ausschreibungen, Verträge, Unternehmer, Nachunternehmer etc. weder umfassend geprüft noch im Verlauf des Projektes im Hinblick auf Qualität, Kosten und Termine überwacht? (Natürlich hat eine eventuell notwendige Neubewertung von Sicherheiten Auswirkungen auf die Risikovorsorge der Institute!) Oder war das zu komplex, zu umfangreich, zu anstrengend? Red Flag #5: Wer überwacht die Aktivitäten des Kreditnehmers? Was wird überwacht? Oder weshalb nicht?
  • Der Fokus der Kreditprüfung liegt auf der Objektebene. Während viele Banker durch die Anforderungen aus den Risikomanagement-Vorschriften genervt sind, wird das Risikomanagement des Kreditnehmers nur in Einzelfällen hinterfragt und selbst dann, wenn es Fragen hierzu gibt, findet keine kritische Prüfung statt. Gerade bei größeren Projektentwicklern sind die Unternehmensstrukturen so aufgebaut, dass möglichst viel Geld im eigenen Haus bleibt; bei Fondsunternehmen mit Projektentwicklungsaktivitäten wird dieses Prinzip bis zum Exzess betrieben. Die damit verbundenen Risikostrukturen werden in die Kreditprüfung nicht einbezogen, sondern es überwiegt die Freude an den Verdienstmöglichkeiten des Kreditnehmers. Red Flag #6: Habe ich genug Einblick in das Unternehmen des Kreditnehmers, um daraus resultierende Risiken auszuschließen? Wie wird das dokumentiert – durch das Abheften des Hochglanzunternehmensprospektes und eines Organigramms? Wird die Entwicklung des Unternehmens vom Mittelständler zum Großprojektentwickler auch in internen Strukturen und Funktionen begleitet?

„ESG“ wird zunehmend in die Kreditprüfung einbezogen und hat mit dem „G“ auch eine Governance-Komponente. Diese kann kaum in Kennzahlen gefasst werden, wie sie in den Bereichen Environmental und Social deutlich eher vorhanden sind. Das bedeutet aber nicht, dass man als Finanzierer hier nur oberflächlich oder gar nicht hinschaut. Wann werden Kreditengagements endlich wieder umfassend und kritisch geprüft, wann wird über die standardisierten Systeme hinaus wieder der klare Menschenverstand eingeschaltet? Trotz des Glaubens an eigene Kompetenz: Es ist nicht Aufgabe der Kreditbearbeiter, Credit Risk Officer oder Sicherheitenverwalter, die Immobilienprojekte und die Projektentwicklungsunternehmen im Detail zu überwachen. Hierfür gibt es unterschiedliche Konzepte, wie dies in einer gemeinsamen Aktivität interner und externer Beteiligter konstruktiv geschehen kann. Eine Verstärkung der Rolle der Kreditinstitute als Berater und kritischer Begleiter des Kreditnehmers erhöht die Kundenbindung und sichert das Institut gegen weitere Risiken ab.

Natürlich, es gibt erfreuliche Ausnahmen in der Banken- und Sparkassenlandschaft und die personelle Situation in den Kreditabteilungen sowie bei den Credit Risk Officern ist durchaus bekannt. Dass aber die Lektionen aus den Immobilien- und Finanzierungskrisen der 1990er und 2000er sowie die Zusammenbrüche von Investoren wie Madoff kaum Niederschlag gefunden haben, ist immer noch frustrierend.

„Ein Schimmern, denn was kümmern mich Bilanzen? Lass uns tanzen!“

Tags: 2. internationaler immobilien investment KongressDietmar PatjensRisk Management
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