Gastkommentar von Dr. Thilo Hoffmann: Brüssel bevormundet uns, reguliert uns und mischt sich überall ein. Aber was haben diese Eurokraten eigentlich jemals für uns getan?
In Monty Pythons „Das Leben des Brian” schimpft die Volksfront von Judäa auf die römischen Besatzer. Was haben die Römer je für uns getan? Nun ja, die Wasserleitungen. Gut, die Wasserleitungen. Und die Kanalisation. Die Straßen. Die Medizin. Die öffentliche Sicherheit. Aber abgesehen von den Wasserleitungen, der Kanalisation, den Straßen, der Medizin und der öffentlichen Sicherheit: Was haben die Römer je für uns getan?
Ja, der Vergleich ist nicht neu. Er stimmt nur leider immer noch. Setzen Sie „Brüssel” für „die Römer” ein, und Sie haben jede zweite Stammtischdebatte der letzten zwanzig Jahre.
Beginnen wir mit dem Handy. Früher konnte ein Anruf aus dem Italienurlaub ein kleines Vermögen kosten. Heute telefonieren und surfen wir in der EU zu Inlandskonditionen. Brüssel hat die Roamingaufschläge abgeschafft. Eine Frechheit gegenüber den Mobilfunkkonzernen.
Gut, das Roaming. Aber sonst?
Wir können in 26 anderen EU-Ländern wohnen, arbeiten und Unternehmen gründen. In 21 Staaten zahlen wir mit derselben Währung. An den meisten Grenzen werden keine Pässe mehr kontrolliert. Und wer wegen einer Flugannullierung am Gate strandet, kann unter Umständen bis zu 600 Euro Entschädigung verlangen. Das ist hart für die Airlines.
Gut, das Reisen, der Euro und die offenen Grenzen. Aber sonst?
Schauen wir in den Kühlschrank. Chlorhuhn, Hormonrind und Antibiotika als Wachstumsförderer sind in der EU verboten. Gentechnik muss draufstehen. Natürlich ist das Bevormundung. Wer selbst entscheiden will, ob sein Huhn gechlort und sein Rind hormonbehandelt sein soll, besuche einen amerikanischen Supermarkt. Am besten mit einem Chemiker.
Gut, das Essen. Aber sonst?
Weniger Gift im Spielzeug, strengere Kosmetikstandards, 14 Tage Widerrufsrecht beim Onlinekauf, zwei Jahre Gewährleistung. Und endlich ein einheitliches Ladekabel fürs Smartphone. Ein schwerer Schlag für die europäische Kabelvielfalt.
Gut, die Produktsicherheit und die Verbraucherrechte. Aber sonst?
Dazu sauberere Flüsse und Datenschutzregeln, dank derer Google und Meta unsere Daten nicht mehr nach Belieben zu Geld machen dürfen. Eine Zumutung. Für die Aktionäre.
Gut, die Umwelt und der Datenschutz. Aber sonst?
Ach ja, Erasmus. Millionen junge Europäer können im Ausland studieren, Freundschaften schließen und sich verlieben. Früher mussten ihre Urgroßväter dafür noch einmarschieren.
Gut, das alles. Aber sonst?
Natürlich produziert Brüssel auch Unsinn. Wer je einen EU-Förderantrag ausgefüllt hat, weiß, dass Bürokratie dort eine Kunstform ist. Nicht jede Verordnung ist ein Geschenk an die Menschheit.
Und dann ist da der Plastikflaschendeckel. Seit er an der Flasche festhängt, trifft ihn der Zorn der Nation. Dabei wollte Brüssel nur verhindern, dass er am Strand landet. Deckel gehören nämlich zu den häufigsten Müllfunden an Europas Küsten. Das ändert nichts daran, dass er nervt. Zugegeben, die EU hat einiges für uns getan. Aber musste sie deshalb gleich den Deckel anfassen?
Und was haben diese Bürokraten, abgesehen von alledem, jemals für uns getan?






