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Debatte um Hitzeschutz für Immobilien hält an

von Onlineredaktion immobilien investment
18. August 2026
in Baustoffe, Gewerbe, Österreich, Wohnen
Die Debatte um Hitzeschutz von Gebäuden reißt nicht ab. Branchenverbände fordern eine gesamtheitliche Betrachtung. Bild: OpenAI/Dall-E (KI-generiert)

Die Debatte um Hitzeschutz von Gebäuden reißt nicht ab. Branchenverbände fordern eine gesamtheitliche Betrachtung. Bild: OpenAI/Dall-E (KI-generiert)

Verbände aus der Bau- und Immobilienwirtschaft fordern umfassende Strategie für klimafitte Gebäude – ARGE Eigenheim warnt vor Fokus auf einzelne Klimageräte und fordert Hitzeschutz als Bestandteil der Wohnrechtsreform.

Die Diskussion über den Umgang mit zunehmender Hitze im österreichischen Gebäudebestand gewinnt weiter an Fahrt. Während die Bundesregierung Erleichterungen für den Einbau von Klimaanlagen angekündigt hat, fordern mehrere Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft einen breiteren Ansatz. Auf Initiative der IG Lebenszyklus Bau wurde dazu ein Sechs-Punkte-Programm vorgelegt. Auch die ARGE Eigenheim spricht sich dafür aus, Hitzeschutz stärker mit Sanierung und Dekarbonisierung zu verbinden.

Nach Ansicht der beteiligten Verbände sollten Maßnahmen zur Vermeidung sommerlicher Überhitzung Vorrang vor einer isolierten Förderung oder rechtlichen Erleichterung einzelner Klimageräte haben. Das Programm umfasst vereinfachte Genehmigungsverfahren für Sanierungen, steuerliche Anreize und Förderungen, Änderungen im Mietrecht, Entsiegelungsmaßnahmen sowie Anpassungen bei Planung und Umsetzung.

„Wir müssen den Bürokratieabbau bei Sanierungen jetzt bei Sonnenschutz-, Dämm- und Dekarbonisierungsmaßnahmen beschleunigen, die zugleich auch der Kühlung dienen“, sagt Margot Grim-Schlink von der IG Lebenszyklus Bau. Dies sei sowohl eine Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel als auch zur Unterstützung der Wirtschaft.

Zu den Unterstützern des Programms zählen unter anderem der Bundesverband Sonnenschutztechnik Österreich, Digital Findet Stadt, das Energieinstitut Vorarlberg, Facility Management Austria, IFMA Austria, die Gewerkschaft Bau-Holz, Grün statt Grau, die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder sowie der Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Vereinfachung von Bewilligungsverfahren. Thermische Sanierungen, außenliegender Sonnenschutz, Heizungsumstellungen mit Kühlmöglichkeit, Begrünungen, Entsiegelungen sowie die Nutzung von Regen- und Grauwasser sollen nach Vorstellung der Verbände einfacher umgesetzt werden können. Vorgeschlagen werden unter anderem verbindliche Bearbeitungsfristen, abgestimmte Behördenverfahren, zentrale Anlaufstellen und standardisierte Genehmigungswege. Daneben sollen Investitionen in Gebäudehülle, Verschattung, Kühlung, erneuerbare Energien und Begrünung steuerlich beziehungsweise durch Förderungen unterstützt werden. Gefordert werden dabei langfristig planbare Rahmenbedingungen.

Auch das Mietrecht wird in dem Papier angesprochen. Energetische, klimatische und funktionale Eigenschaften einer Wohnung sollten nach Ansicht der Initiatoren stärker bei der mietrechtlichen Bewertung berücksichtigt werden. Gleichzeitig müsse eine angemessene Verteilung von Kosten und Nutzen zwischen Eigentümern und Mietern gefunden werden.

In eine ähnliche Richtung argumentiert die ARGE Eigenheim. Bundesobfrau Isabella Stickler warnt davor, die Diskussion über Hitzeschutz auf Erleichterungen für einzelne Klimaanlagen zu reduzieren. „Es wäre ein Fehler, den Hitzeschutz von den laufenden Wohnrechtsverhandlungen zu Sanierung und Dekarbonisierung abzukoppeln. Genau dort muss er mitgedacht werden“, sagt Stickler.

Aus Sicht der ARGE sollte zunächst verhindert werden, dass sich Gebäude stark aufheizen. Dazu zählen etwa thermische Sanierungen und außenliegender Sonnenschutz. Erst danach sollten aktive Kühlsysteme zum Einsatz kommen. „Zuerst müssen wir Gebäude ertüchtigen und die Hitze draußen halten. Dann kommen effiziente technische Lösungen – und Einzelklimageräte nur dort, wo sie trotz dieser Maßnahmen tatsächlich notwendig sind“, so Stickler.

Die Organisation verweist dabei auch auf die Novelle des Wohnungseigentumsgesetzes 2022. Diese sollte verschiedene Modernisierungsmaßnahmen erleichtern. Nach Ansicht Sticklers dürfe sich die aktuelle Debatte nicht erneut auf eine einzelne technische Lösung verengen. „Wir dürfen nicht jahrelang über die Zukunft unseres Wohnungsbestands verhandeln und am Ende bleibt als sichtbares Ergebnis die erleichterte Montage eines Einzelklimageräts.“

Neben der thermischen Qualität von Gebäuden rückt nach Ansicht der ARGE Eigenheim auch deren technische Infrastruktur in den Fokus. Wärmepumpen, Klimageräte, E-Ladestationen und andere elektrische Verbraucher erhöhen die Anforderungen an bestehende Anlagen. Insbesondere in Mehrparteienhäusern müssten daher Netzkapazitäten, Elektroinstallationen und Brandschutz berücksichtigt werden. „Wir können nicht immer mehr elektrische Verbraucher in bestehende Gebäude bringen und die Infrastrukturfrage ausblenden“, sagt Stickler. Gefordert seien daher Lösungen auf Gebäudeebene statt ausschließlich Maßnahmen für einzelne Wohnungen.

Sanierung und Klimaanpassung werden von den beteiligten Organisationen zugleich als wirtschaftspolitisches Thema gesehen. Investitionen in den Gebäudebestand könnten regionale Wertschöpfung auslösen und langfristig Energie- und Betriebskosten reduzieren. Voraussetzung dafür seien nach Ansicht der Verbände verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen.

Tags: ARGE EigenheimIG Lebenszyklus BauKlimawandel
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