Fachgruppe der Wiener Immobilien- und Vermögenstreuhänder: Für 2027 sind in Wien derzeit nur 494 neue gewerbliche Mietwohnungen angekündigt – rund 80 Prozent weniger als 2026. Auch die Zahl der gesamten Wohnungsfertigstellungen dürfte weiter sinken und unter 10.000 Einheiten fallen.
Der Wiener Wohnungsneubau dürfte sich 2027 weiter abschwächen. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei gewerblichen Mietwohnungen aus: Nach derzeit 2.505 angekündigten Fertigstellungen für 2026 sind für das kommende Jahr nur noch 494 Einheiten erfasst. Das entspricht einem Minus von rund 80 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Quartalsupdate des österreichischen Neubauberichts, der von ExploReal im Auftrag der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien erstellt wurde.
Präsentiert wurden die Ergebnisse am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Café Diglas in Wien. Fachgruppenobfrau Nicole Fürntrath bezeichnete den Rückgang als problematisch: „Wenn in Wien im kommenden Jahr nur rund 500 neue gewerbliche Mietwohnungen fertiggestellt werden, ist das ein Alarmsignal. Was heute nicht gebaut wird, fehlt morgen am Wohnungsmarkt.“ Notwendig seien aus ihrer Sicht unter anderem Planungssicherheit, raschere Genehmigungsverfahren und tragfähige Finanzierungsmöglichkeiten.
Auch die Gesamtzahl der Wiener Wohnungsfertigstellungen geht laut Bericht zurück. Nach 11.404 Einheiten im Jahr 2025 werden für 2026 aktuell 10.336 Wohnungen erwartet. 2027 soll die Zahl auf 9.651 Einheiten sinken. Damit läge die Produktion erstmals in diesem Betrachtungszeitraum unter der Marke von 10.000 Wohnungen.
Die Entwicklung fällt in den einzelnen Segmenten unterschiedlich aus. Während die gewerblichen Mietwohnungen stark zurückgehen, steigt die Zahl der angekündigten gewerblichen Eigentumswohnungen von 3.051 Einheiten 2026 auf 3.961 im Jahr 2027. Bei gemeinnützigen Mietwohnungen wird ein leichter Rückgang von 2.740 auf 2.678 Einheiten erwartet.
Bauträgersprecher Clemens Biffl verwies bei der Präsentation darauf, dass sich Projektzahlen für 2027 noch verändern könnten, da Fertigstellungen verschoben oder zusätzliche Projekte gemeldet werden können. Gleichzeitig sieht er gerade bei Mietwohnungen eine längerfristige Angebotslücke. „Wir haben eindeutig zu wenig Mietwohnungen“, sagte Biffl. Maßnahmen zur Ausweitung des Angebots würden aufgrund der Vorlaufzeiten im Wohnbau nicht kurzfristig wirken. „Wenn wir jetzt eine Maßnahme machen, hätte die erst in drei Jahren Wirkung“, so Biffl. Eingefügtes Markdown(2)
Als Hemmnisse nannten Fürntrath und Biffl unter anderem Finanzierung, lange Verfahrensdauern und regulatorische Unsicherheit. Fürntrath verwies darauf, dass insbesondere der gewerbliche Mietwohnungsbau weiterhin mit hohen Eigenkapitalanforderungen und schwierigen Finanzierungsbedingungen konfrontiert sei. Zugleich kündigte die Fachgruppe an, Vorschläge für kürzere Verfahren und geänderte Rahmenbedingungen an die Stadt Wien heranzutragen.
Parallel zum rückläufigen Neubauangebot liegen die Angebotspreise für Neubauwohnungen in Wien laut Bericht um 5,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Angebotspreise und nicht um tatsächlich erzielte Kaufpreise. Auch die Verwertung von Neubau-Eigentumswohnungen schwächte sich zuletzt ab. Der entsprechende Wiener Index sank von 59 Punkten im zweiten Quartal auf 50 Punkte im dritten Quartal 2026. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte er bei 55 Punkten gelegen.
Datenstichtag des Quartalsupdates ist der 1. Oktober 2026. Für 2027 basieren die Fertigstellungszahlen auf den zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten Projektdaten. Damit können sich die prognostizierten Werte im weiteren Jahresverlauf noch verändern.






