Garbe-Analyse sieht Benelux-Staaten und Nordwestdeutschland als einen der größten Profiteure des Rüstungsbooms. Wien ist europaweit auf Platz 9.
Die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa könnten die Nachfrage nach Industrie- und Logistikimmobilien entlang strategischer Militärkorridore deutlich erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Whitepaper des Logistikimmobilienspezialisten Garbe. Neben den Benelux-Staaten zählt auch Wien zu den zehn bedeutendsten europäischen Standorten für militärlogistische Infrastruktur.
Für die Analyse entwickelte Garbe den sogenannten Defence Logistics Affinity Score (LOFIN), der die Eignung europäischer Standorte für militärlogistische Nutzungen anhand von fünf Kriterien bewertet. Berücksichtigt werden die Nähe zum TEN-T-Kernnetz, multimodale Verkehrsanbindungen, Autobahnanschlüsse, die Geländeeignung sowie die Effizienz grenzüberschreitender Prozesse.
Im europäischen Ranking erreicht Wien mit einem Defence-LOFIN-Wert von 6,4 Punkten Rang neun und liegt damit auf Augenhöhe mit Paris und Hannover. Angeführt wird das Ranking von Rotterdam vor Antwerpen und Amsterdam. Laut Whitepaper zählt Wien zur Südosteuropa-Achse München–Wien–Budapest–Bukarest, die als einer der wichtigsten militärischen Verkehrskorridore Europas identifiziert wurde.
Die Bundeshauptstadt profitiere dabei nicht nur von ihrer Lage am transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-T), sondern auch von ihrer Rolle als Industriestandort. Mit dem größten Lkw-Werk von Rheinmetall in Wien besteht bereits heute eine bedeutende Produktions- und Logistikbasis für militärische Fahrzeuge.
„Die Immobiliennachfrage im Verteidigungsbereich lässt sich grundsätzlich in zwei Cluster unterteilen: den mobilitätsgetriebenen Bedarf der Militärlogistik sowie den fertigungsbedingten Bedarf. Beide folgen unterschiedlichen räumlichen Mustern. Unser jetzt vorliegendes Whitepaper untersucht die militärische Mobilität und zeigt, welche Standorte hiervon besonders an Bedeutung gewinnen könnten“, so Tobias Kassner, Head of Research bei Garbe.
Besonders hohe Bewertungen erzielen laut Garbe Standorte mit leistungsfähiger multimodaler Infrastruktur sowie einer guten Anbindung an Seehäfen, Schiene und Autobahn. Während die Benelux-Region aufgrund ihrer Hafenstandorte Rotterdam und Antwerpen europaweit die höchsten Werte erreicht, profitieren auch zentrale Knotenpunkte in Deutschland sowie Wien von ihrer Lage innerhalb der strategischen Verkehrsachsen.
Hintergrund der Analyse sind die deutlich steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. Garbe geht davon aus, dass die Beschaffung von Verteidigungsgütern bis 2030 auf rund 704 Milliarden Euro steigen wird. Daraus könnte innerhalb der kommenden fünf Jahre ein zusätzlicher Bedarf von 37 bis 75 Millionen Quadratmetern Industrie- und Logistikflächen entstehen. Da ein Großteil dieser Immobilien eigengenutzt werden dürfte, erwartet Garbe für den institutionellen Investmentmarkt ein zusätzliches Nachfragepotenzial von 7,5 bis 14,9 Millionen Quadratmetern.
„Die europäische Aufrüstung schafft ein erhebliches Nachfragepotenzial für Industrie- und Logistikimmobilien. Um dieses Potenzial zu erschließen, ist eine genaue Kenntnis der Hauptverkehrswege und militärischen Mobilitätsmuster entscheidend“, sagt Kassner. „Strategische Investments und Projektentwicklungen sollten sich vor allem auf Standorte entlang der hoch bewerteten Korridore konzentrieren. Die Kombination aus multimodaler Verkehrsanbindung, Autobahnzugang sowie der Nähe zu Seehäfen und weiteren Zugangspunkten bietet die besten Chancen, von der künftig entstehenden Nachfrage zu profitieren.“
Nach Einschätzung von Garbe dürfte sich die zusätzliche Flächennachfrage räumlich stark konzentrieren. Lediglich sechs Prozent der untersuchten Landfläche in 25 europäischen Staaten erreichen einen Defence-LOFIN-Wert von mehr als fünf Punkten. Österreich kommt dabei auf einen Anteil von sieben Prozent und liegt damit deutlich hinter den Benelux-Staaten, deren hoch bewertete Flächen rund 62 Prozent der Landesfläche ausmachen.






