Neue Nutzungskonzepte und Technologien verändern Anforderungen an Büroimmobilien in Europa.
Der europäische Büromarkt verändert sich grundlegend, Unternehmen reduzieren ihre Flächen, während gleichzeitig die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Standorten und multifunktionalen Arbeitsumgebungen steigt.. Zu dieser Einschätzung gelangt eine Expertenrunde zu polnischen Büromärkten in einer Aussendung am Mittwoch. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Verbreitung hybrider Arbeitsmodelle.
Auslöser dieser Entwicklung ist vor allem die zunehmende Verbreitung hybrider Arbeitsmodelle. Daten des Immobilienberaters Savills zufolge liegt die durchschnittliche Büroauslastung in Europa aktuell bei rund 60 Prozent, verglichen mit etwa 70 Prozent vor der Pandemie. Insbesondere an Montagen und Freitagen bleiben viele Flächen ungenutzt.
„Die größte Herausforderung für den gewerblichen Immobilienmarkt ist der Wandel in der Nutzung von Büroflächen. Wir beobachten eine dynamische Zunahme von Aktivitäten außerhalb der klassischen Arbeitszeiten“, erklärte Maciej Grabowski, Gründer des Technologieunternehmens Blue Bolt. Büros würden zunehmend für Veranstaltungen wie Workshops, Gemeinschaftstreffen oder Sportangebote genutzt.
Parallel dazu verändert sich die Funktion von Bürogebäuden. Sie entwickeln sich verstärkt zu multifunktionalen Standorten, die Arbeit, Freizeit und soziale Interaktion miteinander verbinden. „Das klassische Neun-bis-fünf-Modell verliert an Bedeutung. Moderne Bürogebäude sind umfassende Ökosysteme, in denen Arbeit und Regeneration ineinandergreifen“, sagte Daria Stefaniak, Managerin beim Coworking-Anbieter Brain Embassy. Coworking-Konzepte spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie flexible Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen und gemeinschaftliche Aktivitäten bieten. Büros würden zunehmend als Erweiterung des Lebensstils wahrgenommen, so Stefaniak.
Auch die Öffnung von Bürogebäuden für das Umfeld gewinnt an Bedeutung. Infrastrukturen wie Veranstaltungsflächen oder Gemeinschaftsbereiche werden vermehrt auch von Anwohnern genutzt. Technologische Lösungen ermöglichen dabei den Zugang zu Gebäuden sowie die Buchung von Arbeitsplätzen oder Veranstaltungen über digitale Anwendungen. „Die Grenzen zwischen Wohn- und Arbeitsnutzung verschwimmen zunehmend. Nutzer können über eine einzige Anwendung Veranstaltungen buchen oder auf Angebote im Gebäude zugreifen“, so Grabowski.
Nach Einschätzung von Martyna Czarnota, Asset Managerin bei Adgar Polska, verändert sich auch die Erwartungshaltung der Mieter: „Bürogebäude werden nicht mehr nur als Arbeitsplatz gesehen, sondern als Raum, der tägliche Bedürfnisse unterstützt.“ Im Zuge dieser Entwicklung gewinnen gemeinschaftsbildende Maßnahmen an Bedeutung. Dazu zählen etwa Fahrradabstellplätze, Duschen, Gastronomieangebote oder Kinderbetreuung sowie Veranstaltungen außerhalb der klassischen Bürozeiten.
Technologische Lösungen spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation dieser neuen Nutzungsformen. Digitale Systeme ermöglichen unter anderem den Zugang zu Gebäuden, die Buchung von Arbeitsplätzen und Besprechungsräumen sowie die Verwaltung von Besuchern. „Ohne integrierte Technologien wäre die Steuerung dieser komplexen Nutzungsszenarien nicht möglich“, betonte Grabowski. Marktdaten des Beratungsunternehmens Colliers zeigen zudem, dass Bürogebäude mit gemeinschaftlich nutzbaren Einrichtungen wie Cafés oder Veranstaltungsflächen deutlich geringere Leerstandsquoten aufweisen als klassische Büroimmobilien.
„Das Bürogebäude entwickelt sich zu einer Plattform für Dienstleistungen und Gemeinschaft“, erklärte Czarnota. Die Zukunft des Marktes liege in intelligenten, vernetzten Gebäuden, die verschiedene Nutzungen miteinander verbinden. Mit der zunehmenden Bedeutung von Aktivitäten außerhalb der klassischen Arbeitszeiten werde laut Experten auch entscheidend sein, ob Bürogebäude als reine Arbeitsorte bestehen bleiben oder sich zu integrierten Bestandteilen des städtischen Lebens entwickeln.






