Aufträge im Wohnungsbau brechen ein: ZDB warnt Politik

Die Aufträge im deutschen Wohnbau brechen ein. Foto: pixabay.com

Zentralverband Deutsches Baugewerbe schlägt Alarm: Aufträge um fast 40 Prozent zurückgegangen. Appell an die Politik zu Förderbedingungen.

Rund 600.000 Wohneinheiten pro Jahr werden in Deutschland benötigt, die Ampelkoalition hat 400.000 als Ziel ausgegeben, beide Ziele sind deutlich unterschritten worden – und die Tendenz ist weiter sinkend. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbe schlägt nun Alarm, die Aufträge im Wohnungsbau sind um fast 40 Prozent eingebrochen. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB: „Was die Baugenehmigungen vorgezeichnet haben, setzt sich leider erwartungsgemäß beim Auftragseingang im Wohnungsbau fort. Seit Juni letzten Jahres sind Baugenehmigungen und Order im Rückwärtsgang und das mit zunehmenden Tempo. Die Bauunternehmen verzeichnen bereits seit September einen Rückgang der Aufträge im Wohnungsbau von monatlich real mehr als 25 Prozent, seit Dezember von mehr als 30 Prozent. Im Februar sind es minus 37 Prozent. Die Auftragsbücher laufen leer!“

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes zur Konjunkturentwicklung im Bauhauptgewerbe in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten hätten die Order insgesamt per Februar ein Volumen von ca. 14 Milliarden Euro erreicht, was nominal einem Rückgang um 4,4 Prozent und real um 17,6 Prozent entspricht. Im Wohnungsbau liege der Rückgang nominal bei 25 Prozent und real bei 35 Prozent. Pakleppa erklärt in dem Zusammenhang, dass die bisherigen Maßnahmen der Ampelregierung zur Förderpolitik offenbar keine Wirkung gezeigt hätten: „Die Förderbedingungen sind zu kompliziert und verteuern das Bauen enorm. Bauwillige verlieren den Mut, stornieren die Aufträge. Wir brauchen daher schnellstens klare und einfache Förderbedingungen. Sowohl beim Mietwohnungsbau als auch sozialen Wohnungsbau muss die Förderung temporär ohne EH-40-Standard möglich sein. Eine zusätzliche Senkung der Grunderwerbssteuer würde Bauwilligen ebenso etwas Planbarkeit bieten wie eine Ausweitung der Sonderabschreibungen im sozialen Wohnungsneubau auf 10 Prozent. Und wir brauchen eine dauerhaft auskömmliche Förderung, vom Einfamilienhausbau bis zum sozialen Wohnungsbau. Und zwar: über eine Legislaturperiode hinaus.“

Das politische Ziel, 400.000 Wohnungen pro Jahr zu errichten, hält Pakleppa angesichts der Zuwanderung von mehr als 1,4 Millionen Menschen im Vorjahr für richtig, bei der Nachfrage nach Bauaufträgen sieht man allerdings eine konträre Entwicklung: „Diese länger politisch zu ignorieren, gefährdet den erfolgreichen Kapazitätsaufbau der letzten Jahre. Die Alarmglocken am Ausbildungsmarkt läuten schon Sturm: Nach sechs Jahren, in denen die deutsche Bauwirtschaft ihre Ausbildungszahlen steigern konnte, sehen wir zum ersten Mal ein Ausbildungsminus von 2,1 Prozent. Im Bauhandwerk sind es im 1. Lehrjahr gegenüber dem Vorjahr sogar 11,3 Prozent weniger Auszubildende. Wenn wir diesen Negativtrend stoppen wollen – und das müssen wir – brauchen wir jetzt sofort Investitionsimpulse. Sonst verlieren wir die Fachkräfte, die wir für den steigenden Wohnungsbedarf so dringend brauchen!“

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